Beachvolleyball in Berlin : Semmler und Holtwick scheitern tragisch

Das deutsche Beachvolleyball-Duo Semmler/Holtwick vergibt vier im Finale von Berlin Matchbälle und muss sich mit Silber zufrieden geben.

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Katrin Holtwick brauchte einen Moment, bevor sie Worte fand. Die Tränen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille verborgen, stützte die Beachvolleyballerin die Hände in die Knie. Sie kramte in ihrer Tasche, schaute auf ihr Handy, nach tröstenden Nachrichten vielleicht. Nach ein paar Minuten hatte sie sich gesammelt und sagte: „Wenn man so die Chance auf den Sieg vergibt, dann tut’s echt weh.“

1:2 (21:16, 21:23, 12:15) hatte sie zusammen mit Ilka Semmler im Finale verloren und eine Sensation verpasst, den ersten Grand-Slam-Sieg eines deutschen Frauen-Duos, an der Waldbühne in ihrer Heimat Berlin. Dabei war die Überraschung möglich, 20:17 führten die Außenseiterinnen Ende des zweiten Satzes gegen die Favoritinnen Taiana Lima und Talita Da Rocha Antunes aus Brasilien. Doch sie gaben es noch aus der Hand. „Da muss man anders agieren, als ich es getan hatte“, sagte Holtwick schluchzend, „damit hadere ich am meisten.“ Da konnte auch die Silbermedaille um den Hals nicht helfen, ihre erste in diesem Jahr und beim Berliner Grand Slam. „Ein kleiner Trost“, sagte sie, die Tränen hinunterschluckend, „aber ich werde einen Moment brauchen, um mich darüber zu freuen.“

All die Anstrengung, umsonst. Vor dem Finale war noch Siegeshoffnung und Sand, überall Sand. An den Beinen, am muskulösen Bauch und in der Sporttasche, bis zum Bersten voll. Holtwick und Semmler kramten im Durcheinander, fischten ihre Handys aus der Tasche, fanden ein Hemd, eine Hose, streiften den Sand von den Gliedern und zogen sich an. Ein Leben aus der Tasche und nur wenig Zeit zum Umziehen, keine vier Stunden nach ihrem Halbfinale mussten die beiden im Endspiel ran. Das beim Heimatturnier an Nummer eins gesetzte Duo hatte zuvor im Halbfinale gegen die US-Amerikanerinnen Jennifer Fopma und Brooke Sweat mit 2:1 (21:17, 16:21, 15:10) gewonnen.

„Wir sind am Limit“, hatte Holtwick geklagt. WM, EM, dazu Turniere in China, Russland, Südamerika, fast jede Woche ein Wettkampf. Wenig hatten die beiden ausgelassen, im Kampf um Weltranglistenpunkte und Sponsorengelder. Bis zu den deutschen Meisterschaften Anfang September geht das so weiter. „Danach ziehen wir die Notbremse“, sagte Holtwick. „Ich freue mich, einmal auszuschlafen und in Ruhe zu frühstücken“, sagte sie, „jeden Morgen vor sieben Uhr, das muss auch nicht immer sein.“

Doch zunächst wartete am Sonntag das Finale an der Waldbühne, sie wollten ihren ersten Turniersieg überhaupt. Im Finale trafen die Weltranglistenzweiten aus Berlin auf die Führenden des Rankings, Lima und Talita aus Brasilien. Geschätzt 3000 Berliner waren gekommen, halb so viele wie bei den Männern am Tag zuvor, obwohl gar keine Deutschen dabei waren.

Top bis ins Finale. Im Endspiel von Berlin aber unterlagen Katrin Holtwick (links) und Ilka Semmler den Weltranglisten-Ersten Lima/Talita aus Brasilien. Foto: dpa
Top bis ins Finale. Im Endspiel von Berlin aber unterlagen Katrin Holtwick (links) und Ilka Semmler den Weltranglisten-Ersten...Foto: dpa

Im Finale begannen die Außenseiterinnen gut, Holtwick glänzte zu Beginn mit ihren Angaben, Semmler beim Block, 21:16 gewannen sie den ersten Satz. Auch im zweiten Satz fanden die Favoritinnen aus Brasilien nicht zu ihrem Spiel, 20:17 führten die Deutschen, dem Erfolg nahe. Doch im Angesicht des Sieges wurden sie nervös, trauten sich keine schwierigen Bälle mehr. „Im Kopf waren wir fast so weit zu denken: Ja, Gold!“, sagte Semmler später. Doch die Brasilianerinnen wehrten vier Matchbälle ab und drehten das Spiel, 23:21 gewannen sie den zweiten Satz. Holtwick und Semmler wirkten geschockt, nach einer 2:0-Führung rannten sie den ganzen dritten Satz einem Rückstand hinterher. „Vier Matchbälle, das ist eine harte Nummer“, sagte Semmler, „das lässt sich nicht ausblenden.“ Lima und Talita zeigten nun ihre Klasse, erreichten selbst schwierigste Bälle und spielten sie noch unerreichbar zurück.

Vor der Siegerehrung wieder Kramen in der Tasche, unverschwitzte Kleidung für die Siegerehrung, auch wenn Holtwick und Semmler nur eine Silbermedaille bekamen. Doch die Show muss weitergehen, mit Champagner bespritzten sie die Siegerinnen. Doch dann flossen nur noch die Tränen.

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