Sport : Beachvolleyball - mehr als Strandbekanntschaften

RUTH LORENZ

Die Beachvolleyballerinnen Müsch/Friedrichsen peilen den Sprung an die Weltspitze anVON RUTH LORENZ BERLIN.Die einen kommen aus Hamburg und sahnen bei den Männern am stärksten den Rahm ab.Die anderen kommen aus Münster und sind bei den Frauen in Deutschland klar die Nummer eins.Was die Nordlichter Axel Hager und Jörg Ahmann bei den Männern im Beachvolleyball sind, das stellen bei den Frauen Danja Müsch und Maike Friedrichsen dar.Sie feierten in der Halle, mit dem USC Münster, große Erfolge.Aber das allein reizte sie nicht mehr.Danja Müsch beschloß als erste, ihre Karriere auf Sand zu bauen.Damals spielte sie noch mit Beate Bühler, die beiden gewannen Gold bei der EM und kämpften in Atlanta.Bühler beendete anschließend ihre Karriere und machte Platz für Maike Friedrichsen.Müsch/Friedrichsen blieben in der Erfolgsspur und wurden in Deutschland zum weiblichen Imageträger dieser Trendsportart.Und mittlerweile hat der Sport eine rasante Entwicklung genommen."Früher", sagt Maike Friedrichsen, "früher war unser Sport als Fun-Sportart verschrieen, doch mit Atlanta kam die olympische Anerkennung, und Beachvolleyball war plötzlich eine Nummer mit Zukunftsmusik." Eine Sportart, die von der Werbewelt entdeckt wurde."Firmen suchten nach einer Lücke im Sponsoring, und die bot Beachvolleyball." Denn Spitzensport in einer Welt, die nach Strand, Sonne und Meeresrauschen riecht, ist eine perfekte Kombination für trendgerechte Vermarktung.Auch das Duo Müsch/Friedrichsen profitierte vom Engagement der Firmen.Mit seiner Ausstrahlung hat es seinen Platz in der Szene gefunden und spielt mit hochdotiertem Ausrüstervertrag in der Weltspitze.Und genau deshalb traten die beiden am Wochenende auch in Berlin auf.Sie gehörten zu den Zugpferden eines Schauturniers, das in der Beach-Halle in Prenzlauer Berg ausgetragen wurde und mit dem man weitere Sponsoren anlocken wollte.Hintergedanke: In Berlin soll ein Landesleistungszentrum "Beachvolleyball" eingerichtet werden.Aber so ein Zentrum kostet Geld.Und das sollen Sponsoren bringen.Auch dank Müsch/Friedrichsen.Als deutsche Nationalmannschaft reisen die Münsteranerinnen in der World-Series- Tour um die Welt und konnten sich mittlerweile in der Weltrangliste auf Platz fünf vorschieben, den Blick nach oben gerichtet zur schmetternden Konkurrenz aus Brasilien.Beim letzten World-Series-Cup in Rio "waren die Basilianerinnen im Spiel um Platz drei für uns noch eine Nummer zu groß", kommentiert Friedrichsen.Denn "Beachvolleyball ist in Brasilien Volkssport und verfügt in der Spitze über eine hohe Leistungsdichte." Den Abstand zur brasilianischen Phalanx wollen die beiden durch "Training auf Weltniveau" verringern.Beispielsweise durch Training in Australien, wo ähnliche klimatische Bedingungen herrschen wie an anderen Wettkampforten.Außerdem spielt dort hochkarätige Konkurrenz.Auf ihre Stärken angesprochen, erklärt Danja Müsch: "Unsere Ausgewogenheit und der Umstand, daß wir das gleiche Spielverständnis besitzen." Zuhause im winterlichen Münster trainieren sie allein, denn der nationalen Konkurrenz sind sie weit vorraus.Copacabanasand wir dann mit einem Feld in einer Kugelstoßgrube vertauscht.Drei Stunden Technik täglich und zusätzliches Krafttraining sollen die konditionelle Basis für die Sommersaison mit harten Matches im tiefen Sand legen.Der deutschen Konkurrenz sind die beiden weit voraus, und Danja Müsch sieht "bei den Frauen kaum Nachwuchs.Strukturen fehlen in der Nachwuchsförderung.Der Volleyball-Verband sollte das Spiel in der Halle und am Strand gleichermaßen fördern", sagt sie.Doch immerhin: Es gibt Perspektiven."In Berlin gibt es mit der Beachvolleyball-Halle exzellente Bedingungen, und das Engagement des Trägervereins City Beach Berlin für den Nachwuchs wollen wir unterstützen." Die Beachhochburg Berlin hat mit dem World-Masters bei den Männern schon ein großes Turnier nach Deutschland holen können.Das wünscht sich auch Maike Friedrichsen bei den Frauen."Deutschland liegt in der Wertigkeit der Turniere hinter Brasilien und den USA" - was zweifellos einiges aussagt über die Popularität und die Wirtschaftskraft des Sports.Und "jetzt wollen wir auch ein World-Series-Turnier hier".Die Frage ist nur, ob es gelingt, die richtigen Sponsoren an Land zu ziehen.

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