Beachvolleyball : Spieler-Streik beendet Machtkampf

Ein knapp zweistündiger Spieler-Streik hat bei der Beachvolleyball-WM in Berlin den Machtkampf mit dem Volleyball-Weltverband FIVB beendet. Nach einem Kompromiss ist die Fortsetzung der Titelkämpfe nun gesichert.

Berlin (23.06.2005, 15:07 Uhr) - «Es wurde eine Vereinbarung getroffen, mit der die Athleten leben können», verkündete Werner von Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) und des WM-Organisationskomitees, nach den Verhandlungen zwischen den sechs Spielervertretern und FIVB-Präsident Ruben Acosta.

Der ausgehandelte Kompromiss beinhaltet nach den Worten von Sydney-Olympiasiegerin Natalie Cook, dass die Vier-Jahres-Verträge und der Code of Conduct erhalten bleiben. Im Gegenzug akzeptierte die FIVB eine Athleten-Kommission von jeweils sechs Frauen und Männern, die einen Vertreter zu den Sitzungen des Weltverbandes entsenden und die Spieler-Interessen vertreten kann. «Wir haben mit diesem Streik deutlich gemacht, dass wir das Recht haben, um die Rechte der Spieler zu kämpfen», sagte die Australierin.

«Die FIVB hat begriffen, dass sie auf die Athleten zugehen muss. Mein Dank gilt allen Beteiligten, dass sie im Interesse der Sache nachgegeben haben. Einen Boykott oder Abbruch der WM hätte doch niemand verstanden», meinte von Moltke. Sein Stellvertreter Götz Moser betonte, dass bei einem WM-Abbruch der DVV und auch der Berliner Verband pleite gewesen wären. «Wichtig war auch, dass seitens der FIVB Sanktionen bis zu einer Olympia-Sperre schnell vom Tisch waren. Ohne diesen Rückzieher wäre alles in die Hose gegangen, ohne Kompromiss wäre Krieg gewesen.»

Die Mitteilung, dass mit Beginn der 12.00-Uhr-Spiele gestreikt wird, schlug auf dem Berliner Schlossplatz wie eine Bombe ein. Die Aktiven hatten am Vorabend in Gesprächen mit Acosta eine Unterschrift bis 8.30 Uhr eingefordert, in der er als oberster Repräsentant der FIVB Verhandlungen mit der Spielergewerkschaft und über den Code of Conduct akzeptiert. Als diese Unterschrift ausblieb, sahen die Aktiven keine andere Chance mehr, als sich mit einem Warnstreik gegen die Knebelverträge der FIVB zur Wehr zu setzen.

Die FIVB, die der Kraftprobe seit WM-Beginn wenig Bedeutung beigemessen hatte, drohte nun ihrerseits mit Sanktionen: Ausschluss der Streikenden vom WM-Turnier, von der Welt-Tour und von den Olympischen Spielen. Das führte zur Solidarität aller WM-Teilnehmer. «Kommt es zur Sperre, wird keiner mehr spielen», sagte Christoph Dieckmann. «Natürlich erklären wir uns alle solidarisch und stehen in dieser Situation zusammen. Das ist unsere größte Chance», fügte sein Partner Andreas Scheuerpflug (Berlin) hinzu. Beide hatten zuvor im deutschen Duell Thomas Kröger/Niklas Rademacher (Lintorf/Kiel) 2:0 (21:15, 21:16) ausgeschaltet. (Von Peter Juny, dpa)

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