Beachvolleyball : Spurenlos im Sand

Die Beachvolleyball-EM ist in Berlin nicht so gut besucht worden, wie erhofft. Trotzdem setzten die Veranstalter weiter auf die Hauptstadt.

von

Während im Stadion das Halbfinale lief, zeigte Werner von Moltke mit dem Finger zum Himmel und schüttelte den Kopf: „Jetzt kommt hier nach tagelangem Regen schon mal die Sonne raus“, sagte der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), „und es sind trotzdem kaum Zuschauer da.“ Tatsächlich war die Resonanz bei der Beachvolleyball-Europameisterschaft, bei der sich am Sonntag die Niederländer Reinder Nummerdor und Richard Schuil zum dritten Mal in Folge den Titel sicherten, auf dem Gelände am Ostbahnhof überschaubar. Da ist Berlin stimmungsvollere Turniere gewohnt. Zum Beispiel 2005 bei der grandiosen WM auf dem Platz vor dem inzwischen abgerissenen Palast der Republik. Oder in den Jahren danach auf dem Gelände vor dem mondänen Hauptbahnhof. Mitten im Zentrum der Millionen-Metropole war es wesentlich leichter, die Menschen in das Stadion zu ziehen, um sie für die Darbietungen auf Sand zu begeistern.

„Wir wären sehr gern auf dem Schloßplatz oder dem Washingtonplatz geblieben“, betont von Moltke. Das ging jedoch nicht, „weil da gebaut wird“. Und so sind die Organisatoren der EM ausgewichen und mussten schweren Herzens auf einen Teil ihrer Klientel verzichten, die sich sonst stets als Laufkundschaft auf den Tribünen eingefunden hatte. „Das ist ja hier ein geschichtsträchtiger Ort, neben der East-Side-Gallery“, hat von Moltke angemerkt, „aber das ersetzt nicht den Standortvorteil im Herzen der Stadt.“

Auf ihre bevorzugten Veranstaltungsorte müssen die Macher wohl auch in Zukunft verzichten. Das hält sie jedoch nicht davon ab, weiterhin auf die Hauptstadt zu setzen. Von Moltke bestätigte, dass sein Verband und die Stadt Berlin auch in den kommenden Jahren sandige Großereignisse ausrichten wollen. So soll im kommenden Sommer ein Grand Slam der World Tour stattfinden. „Wir haben gestern mündliche Vorverträge gemacht“, sagte er, „Berlin bleibt weiterhin unser wichtigster Beachvolleyball-Standort.“

Allerdings muss sich der DVV neue Partner suchen, nachdem die in Zürich ansässige Agentur Global Sports Marketing Insolvenz angemeldet hat. Auch in diesem Punkt wähnen sich die handelnden Personen auf einem guten Weg. „Wir haben eine neue Agentur, die uns hilft, diese Veranstaltung zu vermarkten“, sagt der 74-Jährige.

Fündig geworden sind die Funktionäre in Österreich, wo Hannes Jagerhofer das Turnier in Klagenfurt zu einem Ereignis gemacht hat, das landesweit eine herausragende Bedeutung besitzt. Von solchen Dimensionen können die Beachvolleyballer hierzulande nur träumen. Nun soll Jagerhofers Agentur „acts“ mithelfen, das gewünschte Wachstum zu realisieren. Von Moltke erhofft sich einen großen Schritt nach vorn: „Wir haben uns vor allem deshalb an Hannes Jagerhofer und seine Leute gewandt, weil sie in Klagenfurt das beste Turnier der Welt organisieren.“

Während sie sich in Berlin bemühen, in der Zukunft einen ähnlichen Status wie das Event in der Alpenrepublik zu erlangen, musste von Moltke bei der EM erst einmal die Vergangenheit aufarbeiten. Immer wieder wurde der DVV-Präsident auf die fehlenden Preisgelder aus dem vergangenen Jahr angesprochen. Nach der Insolvenz von Global Sports Marketing warten die Spieler auf 300 000 Euro, bislang hat der europäische Verband CEV lediglich rund 25 Prozent überwiesen. „Wir haben mit all diesen Querelen nichts zu tun“, betont von Moltke. Sein Verband habe die vereinbarten Zahlungen an GSM geleistet, „doch diese Agentur hat die Gelder veruntreut“. Eine unerfreuliche Angelegenheit, die an der Reputation der bislang so sauberen Spaßsportart Beachvolleyball gekratzt hat. Von Moltke hat aus den Vorkommnissen die Konsequenzen gezogen: „Das Geld für die Athleten ist bei mir in der Tasche und wird von mir ausgezahlt. Und so wird es bleiben.“

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben