Sport : Beachvolleyball: Strandkämpfer aus der Schweiz

Ernst Podeswa

Irgendwie hat man es geahnt - die Schweiz hat nicht nur die größten Banktresore und schönsten Skiberge. "Wir haben auch die besten Strände, oder?", lächelt Patrick Heuscher. So antwortete der 24-jährige Züricher auf die Frage nach der erstaunlichen Erfolgsbilanz der Schweizer Beachvolleyballer. Mit drei Teams waren sie beim Berliner Weltturnier angetreten. Zwei kamen unter die besten vier. Rang eins in der Länderwertung eines Sports, der an Stränden Kaliforniens geboren und mittlerweile mit knapp 40 Sandplätzen an der Spree heimisch geworden ist. Heuscher musste sich im Spiel um Platz drei mit Partner Stefan Kobel den Vertretern einer realen Strandnation beugen, - Emanuel/Tande von der Copabacana vor Rio de Janeiro. Im sonntäglichen Finale am Alexanderplatz, wo 4000 Tribünenplätze für die Zuschauer zu wenig waren, reichten Paul und Martin Laciga (Schweiz) selbst acht Matchbälle nicht. Lee Zahner und Julien Prosser erwiesen sich als nie aufsteckende Kämpfer und setzten sich 18:21, 28:26 und 22:20 durch. "Erstmals im Finale, der erste Sieg bei einem Weltturnier - das ist der schönste Tag meines Lebens", verkündete der Zweizentnermann Prosser.

Bei den Olympischen Spielen in Sydney waren die an Nummer eins gesetzten Australier mit dem Erwartungsdruck nicht fertig und nur Neunte geworden. Seine Nerven nicht im Griff hatte zum Ende des zweiten Satzes der jüngere der Laciga-Brüder. Nachdem Martin (26) gemeckert und eine Verwarnung kassiert hatte, hängte er sich nach einer weiteren strittigen Entscheidung wutentbrannt ins Netz. Die rote Karte gegen den Schweizer bescherte den sich leidenschaftlich wehrenden Australiern einen Punkt, den Satzgewinn und die Möglichkeit, alles zu ihren Gunsten im dritten Durchgang zu entscheiden. Was in der Verlängerung des Tiebreaks auch 22:20 gelang. "Wir haben uns selber geschlagen", bestätigte Martin Laciga. Und er meinte weniger seinen kurzzeitigen Ausraster, sondern die Tatsache, "dass wir bei den vielen Matchbällen zwei Punktbälle mit unseren Angriffen nicht verwerten konnten". Der zweite Rang wird daheim aber keinesfalls am Image der Lacigas kratzen. Schon bei den ersten beiden Weltturnieren war jeweils nur ein Duo vor den Europameistern, WM-Zweiten, Olympiafünften und der "Mannschaft des Jahres 2000" in der Schweiz.

"Die Erfolge der Lacigas haben einen Boom in der Schweiz ausgelöst", erzählen Kobel/Heuscher. Fast an jeder Schule gäbe es Sandplätze für Volleyball. "Und wir profitieren vom professionellen Umfeld des Verbandes, haben wie sie Sponsoren und trainieren, wenn es geht, mit ihnen zusammen." Beide sehen sich als Vollprofis, die allerdings bis Mai in der Halle spielen. "Aber international nach oben kommen kannst du in der Schweiz nur als Beachvolleyballer."

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