Beachvolleyball : Zwei Übergrößen in einer kleinen Welt

Misty May-Treanor und Kerry Walsh gewinnen einfach alles im Beachvolleyball – auch das Turnier in Berlin.

Frank Bachner
Beachvolleyball
Lang machen für den Sieg. Die US-Amerikanerin Kerry Walsh dominiert ihren Sport. -Foto: ddp

Berlin - „Wow“ stand plötzlich blinkend auf der Anzeigentafel. Misty May-Treanor war nach einem Ball gehechtet, Kerri Walsh hatte ihn kunstvoll ins gegnerische Feld geschmettert, Punkt für das Beachvolleyball-Duo aus den USA. 17:12 führten die beiden nun im zweiten Finalsatz des Grand Slam in Berlin. Und so wie May-Treanor und Walsh jetzt spielten, so druckvoll im Angriff, so stark im Block, war klar, dass sie dieses Spiel gewinnen würden. Trotz ihrer Probleme am Anfang. 2:1 besiegten die Amerikanerinnen am Samstag vor 5000 Zuschauern schließlich Larissa und Juliana aus Brasilien. Die Teams hatten sich schon im Finale der Weltmeisterschaft 2005 gegenüber gestanden – Sieger: May-Treanor und Walsh. „Wir hatten ein hartes Match erwartet, und so kam es auch. Im ersten Satz haben wir zu viele Fehler gemacht, die haben wir dann zum Glück abgestellt“, sagte Kerri Walsh.

Also wieder einmal den Job erledigt, wie sonst auch. May-Treanor und Walsh, das sind zwei Stars der Beach-Szene. Eine Welt für sich. 2001 bildeten sie ein Team, seither gewannen sie Olympiagold, den WM-Titel und haben 27 Turniere der Welttour gewonnen. Die Zahl wäre erheblich höher, wenn sie nicht so häufig die hochkarätig besetzte US-Tour bevorzugten. In der amerikanischen Turnierserie feierten sie mal 89 Siege hintereinander. Niemand strich bei den Frauen so viel Preisgeld ein wie May-Treanor und Walsh (beide jeweils etwa 1,43 Millionen Dollar). Sie werden seit Jahren in allen möglichen sportlichen Kategorien ausgezeichnet. May-Treanor und Walsh sind die Gesichter des Frauen-Beachvolleyballs. Die 28 Jahre alte Kerri Walsh ist die 1,87 Meter große, sprungstarke Blockspezialistin, die 29-jährige May-Treanor besticht durch ihr Ballgefühl und ein exzellentes Stellungsspiel. Ein Mix, der sie zu sportlichen Übergrößen wachsen ließ.

Sie sind die Stars in ihrer kleinen, überschaubaren Welt, der Beachvolleyballszene. Misty May-Treanor hat sich ein Tuch um die Hüften gewickelt, auf den Schultern glänzt noch der Schweiß, und sie erzählt, wie es zugeht in dieser Welt. „Ich werde nicht eingeladen, in der Ersten Klasse zu fliegen, ich erhalte in Restaurants nicht die besten Plätze.“ Sie lacht herzlich dabei, es macht ihr nicht wirklich viel aus. Beachvolleyball bleibt eine Randsportart in den USA, daran ändern auch May-Treanor und Walsh nichts. Aber die beiden haben immerhin dafür gesorgt, dass unzählige Sportfans in den USA überhaupt registrierten, dass es da ein paar Typen gibt, die im Sand Volleyball spielen. Sie schafften es mit einem Werbespot und ihrem Olympiagold. Der Werbespot entstand im Winter 2003/2004, bei fünf Grad, an einem Strand in Kalifornien. Ein Kreditkartenunternehmen ließ May-Treanor und Walsh filmen. Sie spielten im Bikini und mussten fröhlich dabei aussehen. „Oh Mann, es war verdammt kalt“, sagt Kerri Walsh. Aber der Spot lief im Fernsehen direkt vor dem Superbowl-Finale 2004. „Er war großartig für unseren Sport“, sagt Walsh. Und er machte das Duo populär. „Überall wurde ich auf den Spot angesprochen“, sagt Walsh. Der Spot und das Olympiagold machten die Sand-Spielerinnen zu bekannten Größen. Doch erst als Misty May den Baseballstar Matt Treanor von den Florida Marlins heiratete, schaffte sie es auf den Titel des Magazins „People“.

Aber jetzt, sagt die 29-Jährige mit den Universitätsabschluss in Kinesiologie, also Bewegungslehre, denkt in den USA jeder nur an Peking, an die Olympischen Spiele 2008. Sie auch, mit Kerri Walsh möchte sie noch einmal Gold. Bis dahin nimmt sie es gelassen hin, dass sie, die überragende Beach-Volleyballerin, nur als Teil eines noch Größeren gesehen wird. Wenn sie mit ihrem Mann unterwegs ist, stürzen sie die Autogrammjäger auf den Baseballstar. „Erst dann erkennen mich ein paar und wollen auch meine Unterschrift“, sagt May-Treanor und muss wieder lachen. Matt Treanor hat ihr umständlich erklärt, dass man auf einen Baseball sorgfältiger kritzelt als auf einen Volleyball.

Möglicherweise muss sie bald gar nicht mehr unterschreiben. Denn die 29-Jährige hat für ihre Gegnerinnen eine durchaus hoffnungsvolle Nachricht. „Vielleicht höre ich nach Peking auf“, sagt sie versonnen. Im Rollstuhl möchte ich auf jeden Fall nicht aufs Feld fahren.“

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