Beachvolleyball : Zwei werden ein Paar

Die Beachvolleyballer Stefan Uhmann und Kay Matysik werden EM-Zweiter – vor kurzem hatten sie sich noch trennen wollen.

Felix Meininghaus

HamburgDer Sprecher auf dem Centre Court vor dem Hamburger Rathausmarkt hat schon einige hundert Beachvolleyball-Partien moderiert, aber dieser junge Mann bringt selbst einen Kenner wie ihn aus der Fassung: „Meine Güte, was für ein Monsterblock“, rief er in sein Mikrophon, als sich Stefan Uhmann mal wieder nach oben geschraubt und den Ball am Netz mit Gewalt nach unten gedrückt hatte.

Uhmann zog bei den mit 200 000 Euro dotierten Europameisterschaften in Hamburg mit seinem Partner Kay Matysik ins Finale ein. Dort endete die Siegesserie gestern allerdings, Europameister wurden die Holländer Reinder Aart Nummerdor und Richard Schuil, die sich durch den 2:0 (21:15, 21:18)-Sieg den Titel und 20 000 Euro Preisgeld sicherten. „Der zweite Platz ist sehr gut für uns“, sagte Uhmann, „auch wenn man einen Vize-Europameister wieder vergisst. Aber wir haben unsere guten Leistungen dieser Saison hier in Hamburg bestätigt.“

Uhmann ist ein Phänomen, über das der Zirkus der Sandathleten staunt. 2,12 Meter lang, 23 Jahre alt und mit begnadeten Anlagen für seinen Sport ausgestattet. „Dieser Junge hat alles im Überfluss mitbekommen, was ein sehr guten Ballsportler braucht“, sagt Jörg Ahmann, der vor acht Jahren in Sydney die olympische Bronzemedaille gewann und heute als Bundestrainer fungiert. „Dass Stefan ein Ausnahmetalent ist, kann jeder sehen“, sagt Nationalspieler Julius Brink: „Wofür andere hart arbeiten müssen, bekommt er geschenkt.“

Matysik/Uhmann spielten ein starkes Turnier und begeisterten die Zuschauer auf dem Center Court mit ihren spektakulären Auftritten. Doch diese Leichtigkeit, die das Duo in Hamburg vermittelte, weil ihm beinahe alles gelang, hat es nicht immer gegeben. Im Gegenteil: Schon mehrmals standen Matysik und Uhmann vor einer Trennung, zuletzt stritten sie sich beim Grand Slam in Berlin so heftig, dass ein weiteres Miteinander ausgeschlossen schien. Uhmanns Lebensführung sorgt immer wieder für Konflikte zwischen den beiden. Das große Talent geht gerne und häufig feiern.

Sein Trainer Andre Fröhlich weiß um die Schwierigkeiten Uhmanns: „Er will als Spieler weiterkommen, aber auf der anderen Seite ist er jung und kommt vom Dorf. Da ist diese bunte Scheinwelt der Beachvolleyballer natürlich verführerisch.“ Das birgt Konfliktstoff in einem Umfeld, in dem alles auf Leistungsoptimierung ausgelegt ist. Uhmanns früherer Partner Florian Huth hat die Zusammenarbeit entnervt beendet, und auch Matysik ist immer wieder an Grenzen gestoßen.

Eine ganze Reihe Beachvolleyball-Fachkräfte hat bereits versucht, den Hochbegabten für ein gesünderes Leben zu begeistern, bislang jedoch ohne Erfolg. Für Trainer Fröhlich ist Uhmann „meine größte Herausforderung“. Er sieht sich auf einem guten Weg, „schließlich wollte ja keiner mit ihm zusammenarbeiten, weil die Eskapaden so groß waren. Und jetzt gehören wir zu den besten Teams Europas.“ Nach dem zweiten Platz in Hamburg feiert Uhmann jetzt mit der Erlaubnis seines Trainers.

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