Sport : Beängstigend überlegen

Bayern besiegt Bremen im Ligapokal 4:1

Stefan Hermanns[Düsseldorf]

Nach zehn Minuten ist Miroslav Klose wieder das, was er auch schon vor der Sommerpause war: ein ziemlich einsamer Mensch. Er steht allein im Mittelkreis, hinter ihm nur Tim Wiese, der Bremer Torhüter, weit vor ihm die restlichen 20 Spieler, die gerade das 1:0 des SV Werder Bremen verarbeiten, jeder auf seine Art. Miroslav Klose klatscht viermal in die Hände. Es ist wohl weniger Zeichen alter Verbundenheit mit seiner ehemaligen Mannschaft als der scheue Versuch, seine neuen Kollegen zu einer entsprechenden Reaktion anzuhalten. Dem FC Bayern München gelingt dies am Ende auf geradezu beeindruckende Weise: Mit einem 4:1 (3:1) gegen Bremen hat der designierte Meister 2008 das Halbfinale des Ligapokals erreicht.

Der erste Pflichtspieleinsatz für die Bayern hat Klose ausgerechnet ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber beschert. Als 20 Minuten vor dem Anpfiff auf den Videowänden das Bild von Klose erscheint, gibt es Pfiffe von den Bremer Fans. Die Begleiterscheinungen seines Wechsels sind weder vergeben noch vergessen, und das ganze Theater lebt noch einmal auf, als in der Pause die beiden Manager gemeinsam vor der Fernsehkamera stehen. Uli Hoeneß wirft Klaus Allofs vor, die Anti-Klose-Stimmung der Bremer Fans geschürt zu haben. Nach dem Spiel sagt er: „Es hätte schon längst mal ein Machtwort gesprochen werden müssen.“

Klose löst das Problem zumindest in diesem Spiel auf seine Weise. Nach seinem ersten Ballkontakt in der ersten Minute gibt er den Bremern mehr als 20 Minuten keine Gelegenheit mehr, ihn auszupfeifen. Er kommt in dieser Zeit kein einziges Mal an den Ball. „Er war vielleicht nicht so auffällig, aber unheimlich wichtig für die Mannschaft“, sagt Mark van Bommel. „Miro hat ein gutes Spiel gemacht.“ Der Nationalstürmer ist an zwei der vier Tore direkt beteiligt. Mit seiner zweiten Ballberührung ermöglicht er Bastian Schweinsteiger den Ausgleich, die Wende des Spiels, und nach der Pause lupft Klose den Ball in Werders Strafraum über Pierre Womé. Der Bremer nimmt die Hand zur Hilfe, es gibt Elfmeter, Frank Ribéry verwandelt zum 4:1-Endstand.

Gegen die in der Sommerpause mit vielen Millionen aufgemotzten Bayern hatten sich die Bremer zumindest in dieser Begegnung eine Erfolgschance ausgerechnet: Die neue Mannschaft der Münchner könne schließlich noch gar nicht eingespielt sein. Die Bayern aber widerlegten die leise Hoffnung der Liga auf eine bis in die Saison hinein ausgedehnte Findungsphase mit beängstigender Leichtigkeit. „Es gab einige Ansätze, die einen zufrieden stellen“, sagte Manager Uli Hoeneß.

Dabei nährte das frühe Tor der Bremer die Zuversicht der Anderen zunächst sogar noch. Nach dem ersten schönen Angriff staubte Tim Borowski zum 1:0 für Werder ab (9. Minute). Danach aber kamen die Bremer eine gute halbe Stunde so gut wie gar nicht mehr zu zusammenhängenden Aktionen. „Wir haben das Spiel total im Griff gehabt“, sagte Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld. Die Münchner unterbanden jegliche Bemühungen ihres Gegners bereits im Keim. Vor allem das Mittelfeld mit Zé Roberto, van Bommel, Schweinsteiger, Altintop und Ribéry erwies sich den Bremern in allen entscheidenden Parametern deutlich überlegen.

Es war kein Zufall, dass alle Tore der Münchner von Mittelfeldspielern erzielt wurden: Der Ausgleich gelang Schweinsteiger, nachdem Bremens Torhüter Wiese einen Kopfball von Klose nicht über die Latte gelenkt bekam (23.). Hamit Altintop traf aus 25 Metern zum 2:1 (27.), und bereits zehn Minuten vor der Pause beendete Ribéry mit seinem Treffer zum 3:1 die letzten Bremer Hoffnungen auf einen Einzug ins Halbfinale (am Mittwoch beim Meister VfB Stuttgart).

Dass die Zuschauer in Düsseldorf ein für Ligapokal-Verhältnisse erstaunlich ansprechendes Spiel sahen, lag in erster Linie an den Bayern. Allerdings muss den Bremern zugute gehalten werden, dass ihnen sechs wichtige Leute fehlten, unter anderem Neuzugang Carlos Alberto, dessen Spielgenehmigung noch aussteht. Aber auch die Bayern besitzen noch personelle Alternativen. „Wir können noch besser“, sagte Mark van Bommel. Die Anderen werden das gar nicht gerne hören.

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