Sport : Beängstigend zuversichtlich Die Italiener freuen sich demonstrativ auf Spanien

Eine drückende Schwüle herrscht derzeit in und um Wien. Zur Sicherheit sind in Oberwaltersdorf die Fenster sperrangelweit geöffnet worden, ehe die Pressekonferenz der italienischen Nationalspieler beginnt. Die Veranstaltungen in der „Casa Azzurri“, dem azurblauen Wohlfühlort der Stars vor den Toren von Wien, sind stets eine hitzige Angelegenheit – geordnet geht es in diesem schicken Medienzentrum selten zu. So wischt sich auch Christian Panucci immer wieder den Schweiß von der Stirn, nur das Lächeln in seinem Gesicht bleibt. Wozu der 35-Jährige auch gefragt wird – der älteste Spieler des Weltmeisters mimt den gelassenen Weltmann, der für das Viertelfinale am Sonntag gegen Spanien eine klare Kampfansage formuliert: „Die Spanier mögen besser geworden sein, aber gegen große Teams leiden sie immer.“ Panucci, ein Verteidiger von begrenzten Fähigkeiten aber erstaunlicher Wirkung, fügt noch an: „Sie mögen ja gerne mit dem Ball spielen – wir werden ihn uns erobern und sie ärgern.“ Und damit ein jeder diese Botschaft auch versteht, parliert der neuerdings als Innenverteidiger unverzichtbare Profi des AS Rom wechselweise auch auf Französisch, Spanisch und Englisch – gelernt hat er das bei beim AS Monaco, bei Real Madrid und beim FC Chelsea.

Es ist eine fast beängstigende Zuversicht, die Einzug gehalten hat. Plötzlich klopfen sich italienische EM-Fußballer und EM-Berichterstatter wieder auf die Schultern, es wird gelacht und gescherzt. Man hat sich verbrüdert, um es den Besserwissern zu zeigen. „So, wie wir Frankreich einen Schlag versetzt haben, werden wir es auch mit Spanien machen“, hat Trainer Roberto Donadoni verkündet. Und damit geschickt vom zentralen Thema abgelenkt. Wie will sein Ensemble eigentlich damit fertig werden, dass mit Gennaro Gattuso und Andrea Pirlo Herz und Hirn gesperrt fehlen? Giftzwerg Gattuso ließ die Welt mit bewusst angestrengter Miene wissen: „Wir haben wieder den richtigen Geist. Wir müssen nur zu Null spielen.“

Das ist leicht gesagt, denn die Debatte über den Ersatz der Chefstrategen ist noch nicht beendet. Aber genau wie der Rippenbruch von Torsten Frings für Deutschland letztlich ein Art der Erneuerung war, kann die Doppelsperre Gattuso/Pirlo auch für Italien ein Akt der Befreiung sein und jungen, technisch versierten, extrem fitten Spielern den Weg in die erste Elf ebnen. Der unrasierte Haudegen Gattuso weiß genau, worauf es ankommt: „Für uns spricht der Kampfgeist: Den Spaniern fehlen Typen wie De Rossi, Pirlo oder ich es sind. Es wird ein richtig unangenehmes Spiel.“ Ob sich die Protagonisten, die auf Donadonis Wunsch die blütenweißen Jerseys tragen sollen, dabei auch zweifelhafter Methoden bedienen? Da ist der in Spanien bis heute unvergessene Ellbogenschlag von Mauro Tassotti bei der WM 1994 im Viertelfinale gegen Spanien; da ist dasselbe 2006 in Deutschland begangene Vergehen von De Rossi in der Vorrunde gegen die USA. Lange Sperren folgten für beide Übeltäter – beide Male drang Italien aber zumindest ins Finale vor.

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