• Beckenbauer bezweifelt Münchens WM-Tauglichkeit und erhebt schwere Vorwürfe gegen OB Ude

Sport : Beckenbauer bezweifelt Münchens WM-Tauglichkeit und erhebt schwere Vorwürfe gegen OB Ude

Marc Zeilhofer

Was als harmlose Werbeveranstaltung für die deutsche Bewerbung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geplant war, endete mit einem Eklat. Noch nicht einmal eine Woche, nachdem die WM-Spezialkommission des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) Deutschland verlassen hat, legte Franz Beckenbauer seine Zurückhaltung ab und polterte gegen die Münchner Politik. "Wenn die Stadt München so weitermacht, wird München kein Austragungsort sein, dann kriegt München kein Spiel", stellte der WM-Bewerbungschef und Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montagabend während einer Podiumsdiskussion München als WM-Austragungsort erstmals in Frage.

Den ganzen kaiserlichen Zorn bekam Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zu spüren. "Warum soll München ein Spiel bekommen, wenn wir 15 bessere Stadien haben", fragte Beckenbauer in Richtung des Stadtoberhauptes und setzte hinzu: "Ich bin es leid, das Thema langweilt mich." Ohne ein modernes Stadion "werden die Münchener Fußballklubs über kurz oder lang von der Bildfläche verschwinden", setzte Beckenbauer, einmal richtig in Fahrt gekommen, noch eins drauf.

Ude warf Beckenbauer "eine nicht hinnehmbare Geschichtsklitterung" vor. Einzig dem Stadtrat und seinem Grundsatzbeschluss, den Umbau des Olympiastadions mit 140 Millionen Mark zu bezuschussen, sei es zu verdanken, dass München noch im WM-Rennen sei. "Obwohl der Stadtrat den Wünschen entgegenkam, wollte der FC Bayern immer neue Veränderungen", sagte Ude. "Als Supersportler muss sich auch Herr Beckenbauer an demokratische Grundregeln halten", parierte Ude in Richtung des FC Bayern-Vereinspräsidenten, bevor er grußlos zum nächsten Termin hastete.

Bisher war das Münchener Olympiastadion in der WM-Bewerbungsbroschüre des DFB als Ort für das Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 ins Spiel gebracht worden. Die Arena soll für die WM 2006 umgebaut werden, neben einer Modernisierung der Haupttribüne mit neuem VIP- und Pressebereich ist auch eine Überdachung der Gegengerade geplant. Diese von dem Münchner Stadtrat Ende 1998 bereits beschlossene Lösung findet nicht die Zustimmung der Münchner Klubs Bayern und 1860, die einen bis 500 Millionen Mark teuren Stadionneubau bevorzugen. Im Gespräch sind das Messegelände im Stadtteil Riem sowie das Hochschulsport-Gelände neben dem Olympiapark.

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