Sport : Bedenkliche Bilanzen

Borussia Dortmund steckt in großen Finanzproblemen

Felix Meininghaus,Rolf Obertreis

Von Felix Meininghaus

und Rolf Obertreis

Dortmund. Nervös bearbeitete Gerd Niebaum einen Bierdeckel. In einer eiligst anberaumten Pressekonferenz musste der Präsident von Borussia Dortmund zu Presseberichten Stellung nehmen, die am Montag in der Öffentlichkeit Aufregung verursacht hatten. Von Horrorschulden, Bilanztricks und Finanzchaos bei Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballklub war die Rede. Gestützt wurde das durch in „Focus Money“ veröffentlichte Zahlen, nach denen der Fußball-Bundesligist im laufenden Geschäftsjahr mit einem gigantischen Minusbetrag zu rechnen habe. Der könnte sich auf 50 Millionen Euro summieren.

Nun will Borussia Dortmund eine Anleihe von 80 bis 100 Millionen Euro beim amerikanisch-englischen Investmenthaus Schechter und Co. aufnehmen. Dafür werden die Zuschauereinnahmen der kommenden zwölf Jahre verpfändet. Dortmunds Manager Michael Meier bestätigte diesen Plan. Das Unternehmen sei vor einem dreiviertel Jahr auf die Dortmunder zugegangen und habe das Angebot vor vier Monaten zu optimaleren Konditionen erneuert. In Verbindung mit dem angeblichen Millionen-Loch will Meier das Darlehen nicht sehen. Es diene dazu, Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen, sagte Niebaum. Jede andere Darstellung sei fahrlässig, ergänzte Meier. Dortmund prüft nun rechtliche Schritte, um die Verbreitung dieser Meldung zu unterbinden.

Doch die Bilanzen des Traditionsklubs bleiben bedenklich. So bestätigte Meier, dass ein großer Teil des Sponsorenvertrags mit Nike bereits in der Bilanz für 2003 verbucht worden ist, obwohl der Deal erst ab 2004/2005 greift. So werden hohe Geldbeträge frühzeitig gebunden, mit denen bei normaler Finanzlage in der Zukunft gewirtschaftet werden könnte.

Doch wie sollen die Millionenverluste aufgefangen werden, wenn die geplante Anleihe dafür nicht benutzt werden soll? Mit Transfererlösen, sagt Meier. „Bei Jens Lehmann haben wir damit angefangen“. Um aber beträchtliche Einnahmen zu erzielen, die der Klub offensichtlich benötigt, müsste der Verein schon Stars wie Tomas Rosicky oder Jan Koller verkaufen.

In Frankfurter Banken- und Analystenkreisen schüttelt man den Kopf über Borussia Dortmund. „Der Verein fährt ein extrem risikoreiches Geschäftsmodell“, sagt ein Insider. „Den schlimmsten Fall hat man offenbar nicht einkalkuliert.“ Dieser ist aber gegenwärtig eingetreten: sportlicher Misserfolg, kein internationaler Wettbewerb, eine beispiellose Verletzungsserie. „Man hat viel zu stark auf Expansion gesetzt und viel zu viel Geld für Spieler ausgegeben“, sagen Börsianer. Gestern fiel die Aktie um rund sieben Prozent auf 3,50 Euro.

Die fetten Jahre sind für den Champions-League-Sieger von 1997 erst mal vorbei. Eine Erkenntnis, die in der ganzen Stadt Dortmund für Depressionen sorgen dürfte. „Es ist frustrierend“, sagt ein Dortmunder Taxifahrer. „Da denkst du, die Borussia ist das einzige große Unternehmen in Dortmund, das funktioniert, und jetzt kommen die damit.“

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