Sport : Bedingt bestrafbar

Benedikt Voigt

So kann man es natürlich begründen: Die menschenverachtende und unwürdige Behandlung während und nach der Polizeirazzia bei den Olympischen Winterspielen in Turin sei der Anlass für seinen Rücktritt. Sagt nun auch der österreichische Biathlet Wolfgang Rottmann. Am Vortag war sein Kollege Wolfgang Perner mit der gleichen Begründung zurückgetreten. Sie hätten ohnehin aufhören wollen, sagen beide. Man kann es allerdings auch so sehen: Mit den Rücktritten versuchen die beiden Dopingverdächtigen, sich einer Strafe durch die Sportgerichtsbarkeit zu entziehen.

Für letztere Version spricht, dass Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann dieses Verhalten schon einmal geboten haben: Als sie unmittelbar nach der Doping-Razzia der italienischen Polizei am 18. Februar nach Österreich geflüchtet sind und sich damit den italienischen Behörden und ihrem Antidopinggesetz entzogen haben. Trotz ihrer Rücktritte und negativen Urinproben bei den Turiner Winterspielen droht ihnen jetzt ein Sportgerichtsverfahren. Die Apparate für Bluttransfusionen, die laut italienischer Staatsanwaltschaft gefunden worden sind, dürften für ein Dopingverfahren ausreichen. Bereits das Bereithalten solcher Dopinggeräte stellt der Code der Weltantidopingagentur unter Strafe. Doch an diesem Punkt stößt die Sportgerichtsbarkeit an eine Grenze.

Sollten Perner und Rottmann verurteilt werden, droht ihnen als größtmögliche Strafe eine lebenslange Sperre. Diese aber dürfte sie nach ihren Rücktritten vom Sport nur noch bedingt interessieren.

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