Sport : Bedingungslose Liebe

SCC-Volleyballer besiegen Wuppertal 3:2 und erhalten unerwarteten Zuspruch

Karsten Doneck

Berlin - Selbst Jens Larsen konnte sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. Der Trainer von Bayer Wuppertal hatte gehört, wie ein junges Mädchen in der ersten Reihe der Sömmeringhalle zu Beginn des zweiten Satzes lauthals kreischte: „Wir lieben Euch trotzdem!“ Die Zuneigung des Teenagers galt den Volleyballern des SC Charlottenburg, die zu diesem Zeitpunkt im Bundesliga-Heimspiel gegen Wuppertal schon wieder schwächelten: 0:1 nach Sätzen und 4:6 stand es aus Sicht des SCC.

Die Liebe des Mädchens wurde zwar im Verlauf des Spiels noch auf manch harte Probe gestellt, am Ende zogen aber die 1800 Zuschauer glücklich nach Hause: Die Charlottenburger hatten nach dramatischem, knapp zweieinhalb Stunden dauerndem Kampf 3:2 (24:26, 25:20, 25:18, 32:34, 15:11) gewonnen.

„Mein Team hat gut zusammengearbeitet“, lobte SCC-Trainer Michael Warm. Aber nicht allein die Geschlossenheit gab den Ausschlag dafür, dass sich die Charlottenburger nach ihrer 0:3-Pleite in Unterhaching wieder aufrappelten. Vor allem zwei Spieler halfen dem Gastgeber in dessen kritischen Phasen: Aleksandar Spirovski sowie überraschend der von manchen schon als Fehleinkauf abgestempelte Jovan Vukanovic. Spirovski, nach ausgeheiltem Fingerbruch erst vier Tage im Mannschaftstraining, beeindruckte durch seine Aufschlagstärke. Vukanovic schloss viele Angriffe über die Außen erfolgreich ab und imponierte zudem durch druckvolle Aufschläge. „Vukanovic war unser Matchwinner“, sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand. „Wenn er athletisch weiter zulegt, wird er für uns noch ganz wertvoll.“

Den Höhepunkt der Partie bildete zweifellos der vierte Satz. Vier Matchbälle verschlug der SCC, ehe Bayer Wuppertal mit dem siebten Satzball zum 34:32 doch noch den 2:2-Ausgleich und damit den Tie-Break erzwang. Allzu große Euphorie brach nach dem Sieg beim SCC nicht aus. Zu sehr schmerzen die Wunden, welche die bisherigen vier Niederlagen gerissen haben. „Wir müssen uns jeden Sieg immer wieder hart erarbeiten", sagte Niroomand. Spirovski pflichtete ihm bei: „Nach dem Spiel in Unterhaching war dieser Sieg enorm wichtig für uns.“ Wie wichtig, das unterstrich auch Trainer Warm: „Die Mannschaft braucht Selbstvertrauen. Das entsteht nur durch Siege.“ Wenn der SCC tatsächlich weiter gewinnt, darf er sich auch der Zuneigung nicht nur e i n e s weiblichen Teenagers gewiss sein.

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