Sport : Beförderung zum Frühstück

Jürgen Heide

Um 8.15 Uhr saß Armin Kraaz gestern am Frühstückstisch und zog gerade seine dreijährige Tochter Amelie für den Kindergarten an, als das Telefon klingelte. Als der Kotrainer von Eintracht Frankfurt den Hörer abnahm, war am anderen Ende der Leitung Eintracht Frankfurts Sportdirektor Tony Woodcock. "Sitzt du oder stehst du?", fragte der Brite, um Kraaz dann mitzuteilen, dass er ab sofort Cheftrainer der Eintracht sei. Um 8.30 Uhr teilte Woodcock dem bisherigen Cheftrainer Martin Andermatt dessen Entlassung mit.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Kraaz war von seiner neuen Aufgabe ebenso überrascht wie die Spieler, die Woodcock vor dem gestrigen 10-Uhr-Training, das der frühere Eintracht-Profi bereits leitete, über die neue Konstellation informiert hatte. Zwar stand Andermatt, der erst zu Saisonbeginn das Kommando bei den Hessen übernommen hatte, spätestens nach der 1:4-Pleite vor drei Wochen in Bielefeld, wodurch das Ziel Wiederaufstieg in weite Ferne geraten war, stark in der Kritik, dennoch überraschte der Zeitpunkt des Rauswurfs. Vieles deutete zuletzt darauf hin, dass Andermatt, der einen Vertrag bis 2003 besitzt, bis Saisonende Trainer bleibt und dann einem Nachfolger Platz machen muss.

"Wir mussten handeln. Wir wollten uns später nicht vorwerfen lassen, dass wir nicht alles getan haben, um unsere Mini-Chance auf den Aufstieg noch wahrzunehmen", sagte Woodcock. Dass die Eintracht Andermatt nicht bereits nach dem Bielefeld-Spiel beurlaubte, hat wohl damit zu tun, dass der finanziell angeschlagene Klub zu diesem Zeitpunkt eine höhere Abfindung an den Schweizer hätte zahlen müssen. Kraaz, der bis Saisonende Cheftrainer sein wird, - "dann kommt ein neuer Mann, wir haben aber noch mit niemandem gesprochen" (Woodcock) - soll versuchen, aus der teuersten Mannschaft der Liga eine Einheit zu formen, um sieben Punkte Rückstand auf den dritten Aufstiegsplatz noch aufzuholen. Kapitan Uwe Bindewald soll Kraaz als Assistent unterstützen. Bindewald ist am Sonntag im Heimspiel gegen Union Berlin aber wegen der fünften Gelben Karte gesperrt.

Eigentlich wäre Kraaz am Sonntag gar nicht im Stadion gewesen. Auf Andermatts Anordnung hin sollte der 37-Jährige das Spiel Saarbrücken gegen Aachen beobachten. Vor zwei Wochen hatte Andermatt seinen Kotrainer von der Bank verbannt und an den Spieltagen der Eintracht immer zur Beobachtung anderer Partien geschickt, weil das Verhältnis der beiden Trainer angespannt war. Auch diese Maßnahme - "sie war nicht gut" (Woodcock) - dürfte zu Andermatts Entlassung beigetragen haben.

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