Sport : Begegnung der unerwarteten Art

Warum das Spiel der Eisbären in Ingolstadt für Shawn Heins und Marco Sturm ein ganz besonderes ist

Claus Vetter

Berlin - Es wird ein anstrengender Arbeitstag für Shawn Heins. Schließlich wird der neue Verteidiger des EHC Eisbären heute beim Spiel der Berliner in Ingolstadt den besten Stürmer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) als Gegenspieler haben: Marco Sturm. Das allein ist für ihn aber noch nicht das Außergewöhnliche an der bevorstehenden Begegnung mit dem deutschen Nationalspieler. „Das Spiel ist deshalb etwas Besonderes für mich, weil Marco einer meiner besten Freunde ist“, sagt Heins.

Heins und Sturm haben früher in einem Team auf dem Eis gestanden. Vor sechs Jahren kämpften der Kanadier und der Deutsche bei den San Jose Sharks in der nordamerikanischen National Hockey-League (NHL) um ihren Durchbruch. „Gemeinsam mit unseren Mitspieler Jeff Friesen haben wir den Großteil unserer Freizeit verbracht“, erzählt Heins. „Die ähnliche Situation hat zusammengeschweißt.“ 1998 hatte er sein NHL-Debüt, zum richtigen Durchbruch langte es aber nicht. Zwar ging der groß gewachsene Verteidiger mit dem härtesten gemessenen Schlagschuss aller Zeiten in die Geschichte ein, als er vor einem NHL-Allstar-Game den Puck auf 171 Stundenkilometer beschleunigte, doch dieser Rekord beeindruckte seine Trainer wenig. Heins, in der Vorsaison noch bei den Atlanta Thrashers, kam in der NHL auf 127 Einsätze, eine Zahl, die Friesen und Sturm längst hinter sich gelassen haben. Beide sind in der NHL Stammpersonal – wenn dort gespielt wird. Da das wegen des Streits von Klubbesitzern und Spielergewerkschaft diese Saison nicht so schnell der Fall sein wird, können sich die Fans des ERC Ingolstadt heute auf die Kunststücke von Sturm freuen: 586 Spiele hat der Bayer in der NHL absolviert, dabei 128 Tore erzielt.

Dass der 26-Jährige nun vorerst seine Treffer in der bayrischen Provinz schießen soll, findet er undramatisch – nicht zuletzt wegen der geographischen Nähe zu seinem Heimatort Dingolfing. Das aber habe nicht allein den Ausschlag für die Wahl seines neuen Arbeitsplatzes gegeben, sagt Sturm. Er hätte sich auch vorstellen können, in einem Team mit Shawn Heins zu spielen: „Nur haben die Eisbären nicht mit mir gesprochen.“

So bleibt es für Sturm und Heins bei ein paar kurzen Begegnungen auf dem Eis, ein paar Worten vor und nach dem Spiel. Dafür reiste Sturm schon vergangenen Sonntag nach München. Nachdem die Eisbären dort im Pokal gespielt hatten, trafen sich beide Profis zum ersten Mal in Deutschland. Die zweite Begegnung folgt heute. Die Eisbären können nach dem 3:2-Sieg zum DEL-Auftakt gegen Frankfurt wohl ein wenig entspannter in das Spiel gehen als die Ingolstädter bei ihrem ersten Saisonauftritt – auch wenn es für einen Berliner ein ganz besonderer Nachmittag sein wird. Denn, sagt Heins: „Dass wir uns ausgerechnet in Deutschland auf dem Eis gegenüberstehen hätten Marco und ich nie gedacht.“

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