Sport : Begrenzte Glücksgefühle

NAME

Von Klaus Rocca

Berlin. Stefan Beinlich hatte dieser Tage besonderen Grund, glücklich zu sein: Er wurde zum dritten Male Vater. Nach Zwillingstöchtern wieder eine Tochter. Dass sich Beinlichs Glücksgefühle in Grenzen hielten, hat einen einfachen Grund: Er kann derzeit seinem Beruf als Fußballprofi nicht nachgehen. Eine Meniskusquetschung zwingt ihn zum Aussetzen.

Als sich seine Mannschaftskameraden von Hertha BSC gestern Mittag nach dem Training auf den Weg nach Magdeburg zum Freundschaftsspiel gegen den 1. FCM aufmachten, steuerte Beinlich gerade eine Spandauer Rehabilitationsklinik an. „Täglich drei bis fünf Stunden muss ich dort sein. Da ich zurzeit sogar beim Gehen Schmerzen habe, ist nur Aqua-Jogging angesagt“, erzählt er. Nach der beim Training erlittenen Verletzung und der Diagnose durch eine Kernspintomografie sagte ihm Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher eine zehntägige Zwangspause voraus. Die wäre am kommenden Montag vorbei. So wie es aussieht, wird Beinlich wohl länger pausieren müssen.

In der Saison 2000/2001 war Beinlich Stammgast in der Rehaklinik. Wegen der so genannten Mortonschen Anomalie. Dabei drohen sich zwei Zehen zu überlagern. Beinlich litt zudem an einer Kapselentzündung, hatte bei jeder Art von Belastung Schmerzen. Er fiel die gesamte Rückrunde aus. Zwischenzeitlich gab es sogar Bedenken, dass er seinem Beruf gar nicht mehr nachgehen könne. Die Befürchtungen bestätigten sich nicht.

In der vergangenen Saison wurde Beinlich, der im Juli 2000 ablösefrei von Bayer Leverkusen kam und noch einen Vertrag bis 2003 hat, zum wichtigen Stammspieler bei Hertha. Seine Hoffnung, bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea dabei sein zu können, erfüllte sich jedoch nicht. Rudi Völler nominierte ihn zwar auf Abruf, doch dabei blieb es. „Ich hatte auch nie damit gerechnet, dass ich noch zum Zuge kommen könnte. Da hätten sich wohl Jörg Böhme und Lars Ricken verletzen müssen, erst dann hätte man mich gerufen“, sagt Beinlich. Für ihn sei es schon „eine große Überraschung“ gewesen, von Völler überhaupt in die Kalkulation mit einbezogen worden zu sein. In den Urlaub ist er dennoch nicht gefahren, weil seine Frau hochschwanger war.

Noch ist Stefan Beinlich guter Dinge, wieder das Nationaltrikot überstreifen zu können. Zuerst freilich muss er fit werden. Beinlich: „Ich hoffe von Tag zu Tag, dass die Schmerzen nachlassen.“ Am Wochenende fährt er mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Kaprun. Dass er trotz der augenblicklichen Abwesenheit bei den täglichen Trainingseinheiten vom Chefcoach Huub Stevens für die neue Saison fest eingeplant wird, darf man voraussetzen. In der vorigen Saison hat der jetzt 30 Jahre alte Mittelfeldstratege bewiesen, dass er noch enorm wertvoll sein kann. Doch dazu muss er natürlich fit sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben