Sport : Begrenzte Vorfreude

Schalkes Trainer Slomka nimmt Kuranyi und Lincoln gegen den FC Sevilla aus der Stammelf

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Europapokal? Halbfinale? Für Vorfreude scheint es zu früh zu sein bei Schalke 04, obwohl das Hinspiel im Uefa-Cup gegen den FC Sevilla doch schon an diesem Donnerstag stattfindet (20.30 Uhr, live im ZDF). Bis gestern jedenfalls war das Spiel vor allem Anlass für eine Personaldiskussion. Trainer Mirko Slomka hat beschlossen, Spielmacher Lincoln und Torjäger Kevin Kuranyi aus der Startelf zu nehmen. Die beiden vermeintlichen Leistungsträger sind derzeit außer Form. Der Appell des Trainers wird den beiden daher etwas komisch vorkommen: „Wir sollten endlich anfangen uns auf dieses Halbfinale zu freuen.“

Zuletzt in der Bundesliga gegen den Abstiegskandidaten Köln hatte Slomka die beiden Profis ausgewechselt. Der Fußballlehrer versuchte, diese Maßnahme als ein Stück Normalität darzustellen, zumal in einer gut besetzten und derzeit verletzungsfreien Mannschaft wie Schalke. „Für mich ist es nicht so außergewöhnlich, dass zwei Spieler mal nicht von Anfang an dabei sind, die sonst zur Stammformation gehören“, sagte er. Dennoch kam der durch schwache Leistungen gerechtfertigte Wechsel überraschend. Zumindest bis zum Spiel gegen Köln hatte es den Anschein gehabt, vor allem Kevin Kuranyi habe eine Art Stammplatzgarantie.

In der Öffentlichkeit hatte Slomka den Nationalstürmer häufig besser beurteilt als die Fans und das weniger von Emotionen geleitete Fachpublikum. Sobald Kuranyi in die Kritik geriet, kam von der sportlichen Leitung der Hinweis, der Angreifer habe in der Bundesliga die meisten Tore für Schalke erzielt. Zehn Treffer sind vier Spieltage vor Schluss allerdings nicht gerade Beleg für ein konstant hohes Niveau, auch vor dem Hintergrund, dass sein viel kritisierter Vorgänger Ailton mit keineswegs überragenden vierzehn (Bundesliga-)Toren eine Marke gesetzt hat, die es nicht zu unterbieten gilt. Gegen Sevilla darf Sören Larsen den zuvor gesetzten Stürmer ablösen.

Was Lincoln angeht, haben die Schalker auf dem Rasen des Öfteren gezeigt, wie abhängig sie von ihm sind. Slomka bezeichnet den Kreativen trotz des nun verordneten Entzugs als „Weltklassespieler“. Die Personalie Lincoln fällt ins Auge, weil sich der Brasilianer gerade bei internationalen Auftritten als wirkungsvoller Spieler erwiesen hat. „Er hat uns erst in dieses Halbfinale gebracht“, sagt der Trainer. Aber der launische Regisseur steckt in einer Schaffenskrise, für die es offiziell keine Erklärung gibt. An Lincolns Stelle dürfte Hamit Altintop an diesem Donnerstag den offensiven Part im Mittelfeld übernehmen.

Slomka weist zwar auf die guten Gespräche hin, die er mit dem sensiblen Künstler Lincoln – ebenso wie mit Kuranyi – geführt habe. Die Ursache der Formschwäche habe er jedoch nicht offen legen können. Vor allem mit Blick auf Kuranyi betont Slomka, dass der Profi Einsicht zeige. „Kevin schätzt die Situation so ähnlich ein wie ich.“ Kuranyi kommt die aktuelle Entwicklung besonders ungelegen. Er will sich schließlich bei Bundestrainer Jürgen Klinsmann noch für die Weltmeisterschaft empfehlen.

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