Behindertensport : Fit fürs Fernsehen

In Berlin werden am Donnerstag die Behindertensportler des Jahres gekürt – bei der Wahl entscheidet erstmals die Öffentlichkeit mit.

Lorenz Vossen
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Zwei Medaillen als Argument. Biathlet Josef Giesen ist einer von drei Kandidaten für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres....Foto: AFP

BerlinDie Einladung kam mit Verzug. Dass er es unter die besten drei Athleten zur Wahl des Behindertensportlers des Jahres geschafft hatte und damit zur „Nacht der Stars“ nach Berlin reisen darf, musste Josef Giesen zunächst selbst herausfinden – per Internetrecherche. Da muss es irgendwo eine Panne gegeben haben. Kein Grund für ihn, viel Aufhebens darum zu machen. Der 47-Jährige ist ein bescheidener Typ und lebt den olympischen Geist. „Hauptsache, ich bin dabei. Ich freue mich sehr auf einen netten Abend.“

Der contergangeschädigte Biathlet wird nun erfahren, ob er, der Skirennfahrer Gerd Schönfelder oder der Radfahrer Michael Teuber ausgezeichnet werden. In drei Kategorien wird der Award morgen Abend verliehen. Bei den Frauen sind Schwimmerin Kirsten Bruhn, Handbikerin Andrea Eskau und Skifahrerin Andrea Rothfuß nominiert, als beste Teams gehen die Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Frauen, das Sitzvolleyball-Team der Männer sowie die Rollstuhlcurling-Nationalmannschaft ins Rennen. Das Wahlverfahren ist neu organisiert: größer und mehrstufig. „Jeder Verbandstrainer hat einen Sportler für die Wahl vorgeschlagen. Von diesen Athleten hat eine Wahlkommission die besten Fünf Sportler bestimmt“, sagt Marketa Marzoli vom Deutschen Behindertensportbund (DBS), der die „Nacht der Stars“ zusammen mit dem Förderkreis Behindertensport seit 2000 initiiert.

„Hauptkriterium für eine Nominierung ist der internationale Erfolg. Da fallen viele Sportler schon raus“, sagt Marzoli. Nun kommt auch die Öffentlichkeit ins Spiel. Im Internet gab es Abstimmungen, für die Favoriten, derzeit werden die Favoriten täglich im ARD-Morgenmagazin vorgestellt und von den Zuschauern telefonisch gewählt. „Erstmals können Millionen Internetnutzer und Fernsehzuschauer an der bedeutendsten Wahl im Behindertensport teilnehmen“, sagt Gerda Pleitgen, Vorsitzende des Förderkreises Behindertensport.

Handbikerin Andrea Eskau kritisiert jedoch, dass die Abstimmung teils über kostenpflichtige Rufnummern lief. „Die Fernsehwahl ist ein Riesenschritt für den Behindertensport“, findet indes Josef Giesen. Für die Biathlon-Weltmeisterschaft in diesem Jahr habe sich niemand interessiert, „aber mit der ,Nacht der Stars’ und den Paralympics in Vancouver, die bald stattfinden 2010 steigt das Interesse für den Behindertensport wieder.“ Eine Silber- und eine Bronzemedaille konnte der Sportler vom VfL Herzlake bei der WM in Finnland gewinnen und darf nun auf die Auszeichnung hoffen. „Ich glaube aber, es hängt hauptsächlich davon ab, wie sympathisch die Leute einen finden.“ Er meint: „Jeder hätte es verdient.“

Schade finden es die Sportler nur, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel diesmal bei der Gala nicht dabei sein kann. Trotz Einladung. Trotz Einladung. Handbikerin Andrea Eskau gibt sich etwas ehrgeiziger: „Kirsten Bruhn hat schon so oft gewonnen. Vielleicht schafft es dieses Mal jemand anderes.“

Hunderte prominente Gäste werden zur Benefiz-Gala am Donnerstag in Berlin, bei der der Tagesspiegel Medienpartner ist, kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in den beiden vergangenen Jahren als Preisverleiherin fungierte und mit ihren lockeren Sportler-Interviews begeisterte, kann diesmal nicht dabei sein. Trotz Einladung.

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