Behindertensport : Vorbilder mit Handicap

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble kündigt eine Etaterhöhung von 30 Prozent für den Behindertensport an.

Annette Kögel

BerlinMarc Lembeck kam aus dem Stauen nicht heraus. Der Nachwuchsleichtathlet war gerade Fünfter der WM 2006 geworden und damit in den B-Kader aufgestiegen. „Vorher hat Marc 50 Euro Sportförderung im Monat bekommen – und nach dem Aufstieg sind es nun sogar zwei Euro weniger“, sagt Ralf Otto, Trainer der deutschen Leichtathletiknationalmannschaft der Menschen mit Behinderungen. So sieht er aus, der Alltag im „Behindertensport in Deutschland: Ein Jahr vor den Paralympics“. Dies war auch der Titel der sportpolitischen Tagung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Montag im Reichstag.

„Behindertensportler sind Vorbilder für alle Menschen, weil sie sich zum Leistungsprinzip bekennen“, sagte Sportminister Wolfgang Schäuble auf der hochkarätig besetzten Veranstaltung. „Diese Sportler machen der Gesellschaft deutlich, dass jeder Mensch seine eigene unverwechselbare Würde hat.“ Das Innenministerium unterstützt den Behindertensport in diesem Jahr mit 4,45 Millionen Euro – die Entsendekosten des deutschen Nationalteams nach Peking betragen zusätzlich 1,8 Millionen Euro. Immerhin, die von Schäuble avisierte Jahresetaterhöhung um 30 Prozent – um endlich einige der allesamt ehrenamtlichen Trainer zumindest teilweise zu entlohnen – sei in der Koalition unstrittig, hieß es gestern bei der Tagung.

Bei den Paralympics in Peking, sagte Schwimmerin Kirsten Bruhn, gehe es wohl darum, „eigene Zeiten zu verbessern“. Denn die Chinesen werden „Medaillen abräumen, die spielen in einer anderen Liga“, sagte der deutsche Chef de Mission, Karl Quade. Er war gerade in China. Vom 6. bis 17. September 2008 kämpfen 4000 Athleten aus 150 Nationen um mehr als 400 Medaillen. „Es sollen die besten Paralympics werden, die es jemals gab“, sagte Botschafter Dong Junxin. Und die größten.

Allein zum chinesischen Paralympics-Trainingskader gehören 6000 Sportler. Dagegen nimmt sich das deutsche Team mit seinen 200 Spitzensportlern eher bescheiden aus. Kein Wunder: In China leben genauso viele Menschen mit Behinderungen, wie die Bundesrepublik Einwohner zählt. Hierzulande genießen seit kurzem vier Athleten als neu eingestellte Bundesbedienstete die Sportförderung, sechs weitere sollen folgen. „Wegen der individuellen Lebenssituation ist es nicht so leicht, eine Stelle im Zivilbereich bei Polizei und Bundeswehr zu finden“, berichtete Schäuble.

Medaillensieger wie der Leichtathlet Woitek Czyz müssen nicht nur ihr Handicap bewältigen. Sie sind auch auf Medikamente angewiesen, sind zudem berufstätig und müssen in ihrer Freizeit trainieren. Trotzdem bringen sie Höchstleistungen – Grund genug für die Fernsehsender, mehr zu berichten, wie Redaktionsleiter Thomas Fuhrmann vom ZDF ankündigte. Künftig sollen öfter Paralympioniken ins Sportstudio kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben