Behindertensport : Warmmachen für die Paralympics

Diesen Typen wird man sich merken müssen: Heinrich Popow reist im Nationalteam nach China.

Annette Kögel

BerlinHeinrich Popow, 25, Sprinter und Weitspringer. Der sagt mit einem Grinsen im Gesicht gern so was wie: „Ich freue mich, dass wir jetzt mal ins Aktuelle Sportstudio dürfen und nicht mehr allein zu Events von Aktion Mensch.“

Der Leichtathlet von Bayer 04 Leverkusen wird während der Paralympics vom 6. bis 17. September in Peking täglich im deutschen Fernsehen zu sehen sein: Der oberschenkelamputierte Prothesenträger sprintet und fliegt im TV-Spot jeweils vor den Übertragungen durchs Bild. Popow gehört zu den 170 Athleten mit Behinderungen im deutschen Nationalteam, das am heutigen Freitag am Flughafen in Frankfurt am Main von Vertretern des Bundesinnenministeriums verabschiedet wird. China hat sich für Olympia II einiges vorgenommen: Nach Willen von Staatsführung und Sportfunktionären sollen die Paralympics in Peking die größten aller Zeiten werden. Leistungssport mit Handicap hat in dem Land mit 80 Millionen Behinderten einen besonderen Stellenwert, so startet Sportsponsor Adidas jetzt erstmals eine Imagekampagne mit behinderten Sportlern in China. Das internationale Medieninteresse ist groß, 4000 Journalisten sind schon angemeldet, Hunderte versuchen jetzt, auf den letzten Drücker beim Organisationskomitee eine Akkreditierung zu bekommen. So etwas freut Popow, denn er will bei den Paralympischen Spielen die 13-Sekunden-Grenze bei den 100 Metern unterschreiten.

Bei der Weltmeisterschaft in Taiwan lief er 12,99, und 12,91 ging auch schon mal. Während der Wettkämpfe mit 4000 Sportlern aus 150 Ländern hat er sich viel vorgenommen: „Ich will was bewegen.“ Denn er ist dort auch Botschafter des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs. Aus Athen 2004 brachte sein Team Platz 8 in der Goldmedaillen – und Platz 6 in der Gesamtwertung mit. „In Peking wollen wir das verbessern“, sagt Frank-Thomas Hartleb, Vize-Chef de Mission.

Popow musste als Kind infolge von Knochenkrebs fast das ganze Bein amputiert werden. Radrennfahrer und Prothesenträger Arno Becker zeigte ihm, dass man damit weiterleben kann: Der schob sein Hosenbein hoch und sagte, ich könnte alles machen „wie die anderen, ich müsse mich nur mehr anstrengen“. Das tat er. Bei den Paralympics in Athen überreichte ihm Bundeskanzler Gerhard Schröder eine der drei Bronzemedaillen. In Peking wird Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnungsfeier von der Tribüne winken.

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