Sport : Bei Anruf Beschwerde

Im Eishockey gibt es viel Streit um Spieler-Sperren

Claus Vetter

Berlin - Es ist eine Reaktion mit Ansagen. Immer wenn der Disziplinarausschuss der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einen Profi gesperrt hat, klingelt Sekunden nach Bekanntgabe des Urteils das Telefon im Kölner Büro der Liga – zwei Mal. Ein Anruf kommt von dem Klub, dessen Spieler gesperrt wurde, der andere von dem Klub, gegen den der betreffende Akteur ein Foul begangen hat. „Für die einen ist der Spieler dann zahm wie ein Lamm und die Sperre unberechtigt“, sagt DEL-Sprecher Andreas Ulrich. „Für den Klub, gegen den er das Foul begangen hat, ist der Spieler oft ein brutaler Mensch, für den die Strafe nicht hoch genug ausfallen kann.“ Zuletzt hat das Telefon bei der DEL häufig zwei Mal geklingelt: Es sind Play-offs und damit ist auch die Phase der Saison, in der Sperren gegen Spieler besonders schwer wiegen.

Der Grund dafür liegt im Spielplan der DEL. Wird ein Spieler in der Hauptrunde gesperrt, lässt sich das für den betroffenen Klub eher verschmerzen als in der Endrunde. „In den Play-offs sind die Emotionen groß, da ist der Druck gewaltig, wenn ich mich möglicherweise vor dem letzten Saisonspiel befinde und mein Starstürmer gesperrt wird“, sagt Ulrich. „Die Anrufer A und B habe ich in der Hauptrunde auch, aber das Ganze beruhigt sich eher als in den Play-offs, weil die öffentliche Diskussion selten eine weite Dimension annimmt.“ In der Tat ist in den gerade laufenden Play-offs die Kritik nach Sperren seitens der Liga erstaunlich groß. Sie ist so groß, dass DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke nun sagt, „dass wir das künftig kontrollieren müssen. Wenn in der Fußball-Bundesliga ein Spieler nach einer Roten Karte für zwei Spiele gesperrt wird, gibt es da auch keine großen Diskussionen mit den Klubs“.

Insbesondere die Nebengeräusche im Fall Erik Cole hätten die DEL irritiert, sagt Tripcke. Der Stürmer der Berliner Eisbären hatte im Viertelfinale gegen Augsburg einen Gegenspieler am Kopf gecheckt und bekam eine Matchstrafe. Nach der fälligen Verhandlung sperrte ihn die Liga für sechs Partien. Nach Klage der Eisbären beim Schiedsgericht wurde die Sperre auf vier Partien reduziert. „Was uns gestört hat, war die Polemik von Seiten der Beteiligten“, sagt Ulrich. So waren etwa Berlins Trainer Pierre Pagé und Augsburgs Coach Benoit Laporte verschiedener Auffassungen, was Coles Aktion betraf: Pagé hatte einen „guten Check“ beobachtet, Laporte ein „brutales Foul“. Cole selbst sah sich nicht als Täter: „Ich verstehe die Entscheidung gegen mich nicht.“ Der Fall Cole bedeutete für die DEL eine neue Dimension: Selbst die Fernsehaufnahmen von der Aktion des Berliners wurden verschieden interpretiert. „Die Diskussion war überflüssig“, sagt Ulrich. „Strafen sind zu akzeptieren und zudem bleibt den Klubs ja noch der Gang vors Schiedsgericht.“

Auch wenn es in den Play-offs der DEL härter zur Sache geht als in der Hauptrunde, Strafminuten werden nur unwesentlich mehr verteilt als sonst. Nur die Wahrnehmung bei den Betroffenen sei eine andere, sagt Ulrich. „In der Hauptrunde beantragt selten ein Klub nachträglich eine Untersuchung eines möglichen Fouls des Gegners.“ Ein Fall Cameron Mann sei da eine Ausnahme. Der Stürmer vom ERC Ingolstadt wurde nach dem zweiten Halbfinalspiel gegen die Eisbären für einen Kopfstoß gegen einen Berliner gesperrt, obwohl er im Spiel vom Schiedsrichter keine Strafe bekommen hatte. Die Eisbären hatten nach dem Spiel eine Untersuchung im Fall Mann beantragt. Der Disziplinarausschuss sperrte den Ingolstädter daraufhin für vier Spiele. Nach Bekanntgabe des Urteils klingelte Sekunden später bei der DEL in Köln das Telefon. Natürlich zwei Mal.

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