Sport : Bei einer Niederlage des deutschen Teams stürzt auch Becker

Ernst Podeswa

Auf den ersten Blick geht es von morgen an um die Frage, ob das deutsche Davis-Cup-Team gegen Rumänien in der Tennis-Weltgruppe verbleibt oder nicht. Dies allein erklärt jedoch nicht die Brisanz nebst Medien-Ballyhoo. Auch nicht die Tatsache, dass der Deutsche Tennis Bund im Abstiegsfalle bei Verhandlungen über die Fernsehrechte ab 2000 mit ARD/ZDF Millionenverluste quittieren dürfte. Nein, in Bukarest könnte sichtbar werden, daß auch ein Superstar wie Boris Becker (noch) nicht der geeignete Mann für Führungspositionen ist.

Als sich der neue DTB-Präsident Karl Weber diesbezüglich kritisch artikulierte, übersah er nicht, worauf er sich eingelassen hatte. "Becker zerreißt das Präsidium mit Hilfe der Medien in der Luft", orakelte ein Insider. Er sollte Recht behalten. Nach ein paar Mediensalven in Beckers Sinne knickte der Professor für Ballspiele ein. Und leistete inklusive des Präsidiums dem Davis-Cup-Teamchef öffentliche Treueschwüre. Beckers ungeschickter Umgang mit Nicolas Kiefer, den er brüskierte ("Sein Horizont reicht gerade bis zu seinen Schuhen"), lieferte den Kritikern Munition. Kiefer verweigerte die Zusammenarbeit mit Becker und Teamkapitän Carl-Uwe Steeb. Und der DTB-Sportwart Dirk Hordorff, Trainer des Davis-Cup-Spielers Rainer Schüttler, packte seine Vorbehalte in eine Formulierung, die zum geflügelten Wort wurde: "Kann mir jemand verraten, welche Aufgaben der Teamchef überhaupt hat?" Wenn denn Steeb die Arbeit macht und Becker dennoch per anno ein Honorar von 2,6 Millionen Mark bezieht. Dazu Steeb 250 000 DM. Für einen Vier-Wochen-Job sowie Anwesenheit bei Grand-Slam-Turnieren. Dieses Missverhältnis zwischen Honorar und Leistung ist dem Bundesausschuss, gebildet von den Präsidenten der Landesverbände, nicht entgangen. Und sie stärkten dem Sportwart den Rücken, der laut DTB-Statut das Sagen für den sportlichen Bereich hat und dies auch für sich reklamierte. Daraufhin ließ Becker in "Sport-Bild" aus allen Rohren feuern. Die greisen Landesfürsten bildeten "eine seltsame Mischung aus Spesenrittern, Querköpfen und gewieften Taktikern", hieß es. Ergänzt durch persönliche Verunglimpfungen. "Das war absolut unter der Gürtellinie. Das haben Leute in geachteten Positionen, mit Bundesverdienstkreuz und großer Lebenserfahrung nicht verdient", kommentierte Hordorff das Elaborat. Kein Wort wurde hingegen im Wochenblatt von Beckers Pleitenserie erwähnt: die missglückte Übernahme der ATP-Tour 2000, das dahindümpelnde Mercedes Junior Team, sein Flop mit Viag Interkom als Sponsor für das Davis-Cup-Aufgebot, dazu neuerdings die Attacken auf den Vater von Thomas Haas.

"Becker hält alle für inkompetent. Er will die uneingeschränkte Macht und ist unfähig zur Lobbyarbeit. Er respektiert und akzeptiert niemand außer sich selbst", urteilt ein ehemaliger DTB-Angestellter. "Becker muß erst einmal lernen, was Menschenführung heißt. Es muß jemand im DTB geben, der ihm klar macht, daß er nicht Herr aller Reußen ist", moniert auch Altmeister Wilhelm Bundert (60), Wimbledonfinalist 1967. Doch nun gesteht Becker Fehler ein, will ein Gespräch mit Kiefer suchen und Michael Stich ("als Sportwart") einbinden. Ob die Geschmähten die Entgleisungen streichen oder auf Hordorff als Beckers Chef beharren - auch darüber wird in Bukarest entschieden.

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