Sport : Bei Gefahr für die Gesundheit

Lutz Michael Fröhlich

Das Bundesligaspiel Mainz gegen Hertha, kurz vor Schluss. Nach einem Zweikampf mit Markus Feulner bleibt der Berliner Kevin- Prince Boateng mit einer Hüftprellung am Boden liegen, die Mainzer spielen weiter. Zum Ärger der Berliner dauert es fast drei Minuten, ehe ein Mainzer den Ball ins Aus spielt und Boateng behandelt werden kann. Hätte der Schiedsrichter das Spiel nicht eher unterbrechen müssen, Herr Fröhlich?

Es gibt für den Schiedsrichter klare Vorgaben, wann er das Spiel wegen einer Verletzung unterbrechen muss. Dies ist der Fall, wenn ein Torwart auf dem Boden liegen bleibt. Bei Feldspielern werden die Maßstäbe etwas strenger angelegt. Der Schiedsrichter wird das Spiel abpfeifen, wenn eine akute gesundheitliche Gefährdung vorliegt, zum Beispiel wenn zwei Spieler mit den Köpfen zusammengestoßen sind oder wenn sich ein Spieler eine blutende Wunde zugezogen hat. Ein Indiz kann auch sein, dass die Mitspieler sehr aufgeregt reagieren; es ist ja schon vorgekommen, dass ein Spieler seine Zunge verschluckt hat und zu ersticken drohte. Nicht immer erkennt der Schiedsrichter die Gefahr sofort; die Möglichkeit zur Spielunterbrechung besteht jedoch jederzeit – wenn der Schiedsrichter zum Beispiel bemerkt, dass ein Spieler auffällig lange liegen bleibt und fürchten muss, dass die Verletzung schlimmer ist als zunächst angenommen. Er sollte aber nicht unbedingt dann pfeifen, wenn die gegnerische Mannschaft frei auf das Tor zuläuft. Das wäre taktisch unklug.

Bei Boatengs Verletzung in Mainz lag keiner dieser Fälle vor, deshalb musste der Schiedsrichter das Spiel nicht unterbrechen. In der Regel greift eine Art ungeschriebenes Gesetz. Der ballführende Spieler wird den Ball ins Aus schießen, damit der Verletzte behandelt werden kann. Die Mainzer sagen, sie hätten die Verletzung Boatengs nicht bemerkt. Der Schiedsrichter kann in einem solchen Fall einen Hinweis geben. Er kann einen Spieler, der sich weigert, den Ball ins Aus zu schießen, jedoch weder ermahnen noch verwarnen. Für meinen Geschmack wird der Ball inzwischen sogar eine Spur zu flott ins Aus gespielt. In Mainz hat es eine zweite Situation gegeben. Boateng blieb an der Seitenlinie liegen und hätte sich ohne weiteres vom Feld bewegen können. Trotzdem forderten die Berliner von den Mainzern, den Ball ins Aus zu schießen.

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