Sport : Bei ihm ist vieles anders (Kommentar)

Michael Rosentritt

Der Weltrekord sei ihm nicht wichtig. Das sagt nicht viel. Dabei könnte er sich verdammt viel darauf einbilden. 144 Länderspiele auf höchstem Niveau. Der nächste in der Liste, der Schwede Ravelli, bringt es auf 143. Und dann kommt ein gewisser Abdullah aus Saudi Arabien, der hat 140 Mal für sein Land gespielt. Den kennt nun wirklich niemand mehr. Ihn aber schon, den Weltfußballer des Jahres 1990. Vier Jahrzehnte Bundesliga, 20 Jahre deutsche Auswahl, unzählige Titel säumen seine Karriere, die irgendwann in diesem Jahrtausend in New York oder sonstwo zu Ende gehen wird. Und noch immer spielt er mit Hingabe und Einsatz. Und das mit fast 39.

Sein Alter und seine Lebensleistung verbieten es, wortlos darüber hinwegzusehen. Der Mann aus dem Fränkischen hat sich in die feinste Reihe großer deutscher Fußballer gespielt. Ist quasi über den Tellerwäscherweg reich und berühmt durch Leistung geworden. Das unterscheidet ihn von den meisten. Denn kaum zuvor wurde man so leicht Nationalspieler wie heute, wenn schon 400 gute Bundesligaminuten ausreichen.

Früher musste ein talentierter Bursche lange warten, ehe er das DFB-Trikot überstreifen durfte. War man Nationalspieler, blieb man es. Andy "Aua" Möller zum Beispiel. So haben es viele zu vielen Länderspielen gebracht. Bei ihm ist es anders. Er musste zwei EM-Turniere und zwei pralle Länderspieljahre unfreiwillig auslassen. Auch nach schweren Verletzungen ist er wieder aufgestanden. Dafür lag er außerhalb des Fußballplatzes oft genug und gewaltig daneben. Auch das ist schwer rekordverdächtig.

Die Rede ist von Lothar Matthäus, das sagt alles.

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