Sport : Bei ihm weiß man nie

Andreas Klöden meldet sich bei der Tour zurück

Hartmut Scherzer

Mulhouse - Andreas Klöden war schon so gut wie abgeschrieben. Außer Form, vielleicht satt und zufrieden mit seinem überraschenden zweiten Platz bei der Tour im Vorjahr und einem neuen, gut dotierten Vertrag. Selbst um einen der neun Plätze im T-Mobile-Team für die Frankreich-Rundfahrt musste er bangen.

Das Frühjahr war für den 30-jährigen Cottbuser eine einzige Krise gewesen. Als er Anfang April nach der dritten Etappe der Baskenland-Rundfahrt ausstieg, meldete er sich völlig ausgezehrt zum Leistungs-Check an der Uni Freiburg. Unwohl und schwach fühlte sich Klöden und nahm sich eine Auszeit. Das Höhentraining auf Teneriffa sei ihm nicht bekommen, hieß es. „Andreas ist ein fragiler Typ“, urteilt Teamarzt Lothar Heinrich über die bekannten Formschwankungen Klödens. Erst Ende Mai kehrte er bei der Bayern-Rundfahrt nach mehrwöchiger Pause in die ernsthaften Wettbewerbe zurück und gewann eine Etappe fürs Selbstvertrauen. Doch danach quälte er sich mehr schlecht als recht durch die Etappenfahrt „Dauphiné Libéré“.

Dennoch wurde er für die Tour nominiert. „Bei Andreas kennt man ja die Höhen und Tiefen“, sagte Teamchef Walter Godefroot achselzuckend. Klödens Tour-Auftakt war dann eher peinlich. Als Spezialist wurde er im Zeitfahren 51., mit zwei Minuten Rückstand auf Lance Armstrong.

Vor der Tour sagte Armstrong über seine Herausforderer vom T-Mobile-Team: „Bei Klöden weiß man nie.“ Jetzt weiß er es. Andreas Klöden hat seine Form wiedergefunden. Armstrong ließ den unsicheren Kandidaten am Samstag ziehen, nachdem er zweimal die Angriffe Alexander Winokurows abgewehrt hatte. Mit geöffnetem, flatterndem Trikot stürmte Klöden die letzten fünf Kilometer zum Col de la Schlucht hinauf und holte den führenden Holländer Pieter Weening auf der Passhöhe ein.

Schon in diesem Moment hatte sich Klöden im Kreis der stärksten Fahrer der Tour zurückgemeldet. Er hatte demonstriert, dass Jan Ullrich bei der taktischen Jagd von T-Mobile auf Armstrong auf seine Unterstützung zählen kann. Im Sprint kam er dann wenige Millimeter nach Pieter Weening ins Ziel. Enttäuschung war in seinem schmalen Gesicht nicht zu entdecken. „Ich hatte das Gefühl, dass ich gewonnen habe“, sagte Klöden.

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