Sport : "Bei Kriegszustand scheitert das Vorhaben"

Mit Günter Paul sprach Tagesspiegel-Mitarbeit

Union-Klub-Chef Günter Paul über Erbbaurechts-Vertrag und die Perspektiven von Hoppegarten TAGESSPIEGEL: Rechnen Sie noch in diesem Jahr mit dem Abschluß eines Erbbaurechts-Vertrages über die Rennbahn Hoppegarten? PAUL: Darüber sind wir zur Zeit mit der Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) im Gespräch.Wir wollen abschließen, müssen jedoch zuvor noch einige Detailfragen klären.Außerdem liegt das Gutachten des Wirtschaftsprüfers über unser Konzept noch nicht vor.Möglicherweise muß deshalb der Termin für die Unterzeichnung verschoben werden.Dadurch geht die Welt nicht unter.Wir haben keine Eile, denn wir besitzen ja einen Pachtvertrag bis 1999.
TAGESSPIEGEL: Erstreckt sich der Erbbaurechts-Vertrag nur auf das unmittelbare Rennbahngelände und eine der drei Trainingsbahnen? PAUL: Er wird das ganze Areal (409 ha/Anm.der Red.) umfassen.Was Ausbau und Modernisierung betrifft, konzentrieren wir uns auf eine Trainingsanlage und das eigentliche Hippodrom.Dafür werden in den nächsten Jahren ca.30 Millionen veranschlagt. TAGESSPIEGEL: Hat sich der Union-Klub mit dem Projekt Hoppegarten finanziell übernommen? Allein für die Durchführung der Renntage werden pro Jahr ca.zwei Millionen DM veranschlagt.Die müssen im wesentlichen durch den Anteil an den Wetteinnahmen, das sind 17 Prozent, und durch Sponsoren abgedeckt werden.... PAUL:Was wir an Investitionen benötigen, müssen wir erwirtschaften.Vorwiegend aus Verkäufen oder Verpachtungen von Geländeabschnitten, die für Training und Wettkampfbetrieb nicht benötigt werden.Von dem ganzen Areal müßten etwa fünf bis acht Prozent geopfert werden. TAGESSPIEGEL:Wenn sich die Gemeindevertreter, die Umweltverbände oder die Denkmalpfleger querlegen, könnte es da große Probleme geben. PAUL: Das ist in der Tat ein Kernproblem.Deshalb ist es ein Hauptanliegen des Union-Klubs, mit der Gemeinde in Harmonie und Einvernehmen zusammenzuarbeiten.Wenn es da zu einer Art Kriegssituation kommt, wenn eine Behörde blockiert, werden wir unser Gesamtvorhaben nicht verwirklichen können.Was wir insgesamt vorhaben, ist nicht gegen die Umwelt gerichtet.Aber wenn die Bürger, wenn ihre Gemeindevertreter wollen, daß alles so bleibt wie es ist, dann ist das auch eine Form einer demokratischen Entscheidung.Dann bleibt alles beim alten oder wird schlechter.Ich weiß, bei gutem Willen lassen sich Lösungen finden.Ich bin und bleibe Optimist. TAGESSPIEGEL: Oft wurde davon gesprochen, daß Hoppegarten in naher Zukunft wieder Zentrum des deutschen Galoppsports wird.Wann? PAUL: Grundsätzlich bleibt das unsere Zielstellung.Sie ist gegenwärtig nicht zu verwirklichen.Das Zentrum hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem Rheinland verlagert.Aber eines Tages, das ist meine Überzeugung, wird Hoppegarten alle anderen überflügeln. TAGESSPIEGEL: Begnügt sich der Union-Klub in Zukunft mit der Rolle eines aktiven Rennvereins oder strebt er nach seiner früheren Funktion einer obersten Behörde des deutschen Galoppsports? PAUL: Eindeutig nein.Die Aufgabe heute lautet: aus dem verträumten Traditionsverein einen aktiven Rennclub machen.Wir wollen nicht zurück zu alten Positionen. TAGESSPIEGEL: Sie fordern für Hoppegarten ein professionelles Management.Wie stellen Sie sich das vor? PAUL: Das Tagesgeschäft können nicht mehr ehrenamtliche Mitglieder übernehmen.Das Management muß von Leuten betrieben werden, die sich den ganzen Tag auf diese Aufgaben konzentrieren.Das Management muß die Rechte eines Vorstands einer Aktiengesellschaft haben.Verträge abschließen, Veranstaltungen planen, Sponsoren gewinnen, das Budget kalkulieren und Entscheidungen über Investitionen herbeiführen.Kontrolliert wird diese Tätigkeit von einem Aufsichtsrat.An dritter Stelle steht die Mitgliederversammlung, der regelmäßig Rechenschaft gegeben werden muß.Sie beschließt Grundsätzliches, redet aber in das Tagesgeschäft nicht hinein. TAGESSPIEGEL: Es gab Spannungen zwischen dem Union-Klub und dem Rennverein Hoppegarten.Vereinbarungen wurden gekündigt, Kooperationsbeziehungen eingeklagt.Wie soll es weitergehen? PAUL:Rennverein und Klub können nicht gemeinsam eine Rennbahn betreiben.Einer muß das Sagen haben.In der Sache hatten wir keine Schwierigkeiten.Doch von fairem Verhalten zueinander konnte in diesem Jahr keine Rede sein.Wer uns zur Niete abstempelt, dies auch noch gegenüber Dritten sagt, kann nicht erwarten, daß er unser Kooperationspartner bleibt.Nun hat das Gericht per einstweiliger Verfügung festgelegt: Wir müssen dem Rennverein für seine Versammlungen weiterhin Räume zur Verfügung stellen, wir müssen seine Fahne aufziehen usw.Wir werden diese Verfügung nicht bekämpfen, aber die Kooperationsbeziehungen werden auslaufen.Es wird keinen neuen Vertrag geben.Ich habe schon mehrfach vorgeschlagen, der Hoppegartener Rennverein solle sich auflösen.Er verfügt über keine Rennbahn, keine Betreiber-Lizenz.Wir sind gern bereit, rennsportbegeisterte Mitglieder bei uns aufzunehmen, wenn sie unseren Vorstellungen entsprechen.Wir sind ohnehin dabei, unsere Türen zu öffnen, um einer größeren Zahl von Berlinern (zur Zeit sind es sieben von insgesamt 179 Mitgliedern/Anm.der Red.) den Zutritt zum Union-Klub zu ermöglichen, übrigens auch Frauen.Ich hoffe sehr, daß schon der nächste Präsident ein Berliner ist.

Mit Günter Paul sprach Tagesspiegel-Mitarbeiter Werbner Preiss

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