Sport : „Bei mir kann ein Stürmer auch Torwart spielen“

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Herr Zach, seit ein paar Tagen haben Sie endlich Zeit zum Angeln. Haben Sie den Eishockey-Bundestrainer in den Urlaub geschickt?

Der Fischer und der Trainer Zach sind derselbe. Ich bin immer gleich, egal was ich mache. Gut, wenn dem Fischer mal ein Fisch vom Haken geht, dann ist das nicht so tragisch. Beim Trainer ist das anders. Der will immer gewinnen.

Dann muss der Trainer am Dienstag nach der Niederlage im Viertelfinale der Weltmeisterschaft enttäuscht gewesen sein. Sie wirkten vor dem Spiel gegen die Schweden angespannter als sonst – wie ein Angler, der genau wusste, was er an die Angel bekommen kann.

Ich war nicht angespannt. Und enttäuscht war ich hinterher auch nicht. Wir haben das Optimale erreicht, mehr ging nicht.

Die Erfolge der Nationalmannschaft sind eine Überraschung. Seit dem Bosman-Urteil können sich junge deutsche Talente in der Deutschen Eishockey-Liga nicht entfalten. Nun waren in Ihrer Mannschaft gleich vier Verteidiger, die in den Achtzigerjahren geboren wurden. Ist die DEL noch die Ausländerliga, als die sie immer kritisiert wird?

Ich sehe zwei Gründe für unseren Erfolg mit der Nationalmannschaft. Da ist erstens die Arbeit des Trainerstabes. Deshalb kommen die Spieler ja auch so gern zur Nationalmannschaft.

Zweitens?

Junge Spieler wie Christian Ehrhoff oder Dennis Seidenberg sind deshalb so gut, weil ihnen die DEL in ihrer Entwicklung geholfen hat. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Inzwischen haben unsere Spieler auch im Ausland einen anderen Stellenwert. Bald wird wohl der eine oder andere in die National Hockey League abberufen. Aber die Lücken werden wir füllen können, wir haben eine größere Breite als noch vor ein paar Jahren. Wobei nichts dagegen spricht, dass ein Deutscher aus der NHL für die Nationalmannschaft spielt.

Sie waren das einzige Team im Achtelfinale bei der WM, das ohne Spieler aus der NHL auskommen musste…

Wir hatten das Pech, das Marco Sturm mit seinem Klub noch in den Play-offs der NHL spielen musste. Jochen Hecht und Olaf Kölzig konnten aus anderen Gründen nicht. Aber ich will das nicht immer wieder diskutieren. Ich habe ja schon gesagt: Mit den Kosten, die man einspart, wenn man vor einer Weltmeisterschaft nicht nach Amerika telefoniert, kann man einen Nachwuchstrainer bezahlen.

Irgendwann wird man vom Nationalteam mehr als nur das WM-Viertelfinale erwarten. Das ist mir egal. Angst habe ich keine, weil ich weiß, was Sache ist. In Schweden habe ich während der WM beobachtet, dass dort schon im Mai das Sommertraining beginnt. Und zwar mit 18 Stunden pro Woche.

In Deutschland…

…ist so was undenkbar. Wenn ich dann in Deutschland höre, was wir alles mit der Nationalmannschaft erreichen sollen, kann ich nur sagen: Das ist unrealistisch.

Eishockey hat einen höheren Stellenwert in Deutschland erreicht. Dafür werden Sie verantwortlich gemacht. In Schweden hatten die Fans sogar ein Transparent mit der Aufschrift „Hans Zach – Superstar". Was sagen Sie dazu?

Nichts. Ich fühle mich überhaupt nicht wichtig.

Vielleicht ist es ein Indiz dafür, dass es im deutschen Eishockey keine Stars mehr gibt. Leute wie Erich Kühnhackl oder Gerd Truntschka, die früher jeder Eishockeyfan kannte.

Das ist heute fast nicht möglich. Die Stars sind in der NHL. Außerdem, nennen Sie mir einen heutigen Fußballstar mit dem Stellenwert eines Netzer oder Beckenbauer. Stars gibt es heute im Sport nur wenige. Ich brauche in der Nationalmannschaft auch keinen.

Der Deutsche Eishockey-Bund hat Ihnen einen Vierjahresvertrag angeboten, Sie wollten aber nur für zwei Jahre unterschreiben. Warum?

Ach, wer weiß, ob ich in drei Jahren noch genug Feuer habe. Ich ziehe mein Ding auf meine Art durch. Konsequente Arbeit, totale Ehrlichkeit, Vertrauen bei den Spielern wecken.

Das hört sich fast zu einfach an.

Stimmt aber. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Nehmen Sie den Boris Blank. Der hat in der DEL bei den Berliner Eisbären in 59 Spielen drei Tore geschossen. Bei der WM waren es auch drei Tore, allerdings auf internationalem Niveau und in sieben Spielen.

Während des Turniers haben Sie Blank sogar zum Mittelstürmer umfunktioniert. Auf dieser Position hat er bei den Eisbären noch nie gespielt.

Nichts entfaltet mehr Kräfte beim Menschen als frisch gewonnenes Vertrauen. Bei mir spielt ein Stürmer wie der Boris auch Torwart, wenn ich das will. Dann sag ich ihm vorher, dass er alle Scheiben halten soll, und dann macht er das auch.

Das Gespräch führte Claus Vetter.

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