Sport : Bei Tempo 270 kleine Knöpfe drücken

Das Lenkrad eines Formel-1-Rennwagens hat mit dem eines normalen Straßen-PKW nichts gemein. Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen, zuletzt Sieger in Magny-Cours, erklärt, welche Knöpfe er am Lenkrad seines Jordan-Mugen Honda hat und was er damit alles machen kann.Allein die äußere Form deutet an, daß das Teil Ecken und Kanten hat, was ja an einem Rad grundsätzlich schon etwas Überraschendes ist. Oben und unten ist das Lenkrad aus Platzgründen "abgeschnitten". Die beiden oberen Schaltwippen, die nicht direkt zum Lenkrad gehören, sind zum Kuppeln, die beiden unteren zum Schalten. Am eigentlichen Lenkrad sticht ein Display ins Auge, wie es mittlerweile auch Otto-Normal-Verbraucher aus ihren PKW kennen. Ungewohnter sind die acht gelben Knöpfe. Der "Pit"-Knopf befindet sich links außen, ungefähr auf der Elf-Uhr-Position. Der Knopf ist bares Geld wert, denn wenn man vergißt, ihn zu drücken, gibt es ganz schnell ein Knöllchen, was bei der FIA fast immer im 1000-Dollar-Bereich liegt - von möglichen Stop-and-Go-Strafen im Rennen ganz zu schweigen. Ist dieser Knopf gedrückt, hält sich mein Jordan automatisch an die in der Boxengasse erlaubte Höchstgeschwindigkeit, an Trainingstagen sind 80 km/h, im Rennen ist Tempo 120 erlaubt.Dem Pit-Knopf gegenüber, also auf der Ein-Uhr-Position, ist der "Skip"-Knopf. Wenn man ihn drückt, wird automatisch bis zum ersten Gang runtergeschaltet. Das ist eher was für Faule. Wichtiger sind die beiden Knöpfe, die unterhalb und näher zur Lenkradnabe angeordnet sind und mit dem Aufdrucken - und + versehen sind. Hier kann ich die jeweils auf dem Display angezeigten Werte erhöhen oder verringern. Auf der linken Seite, unterhalb des Mittelstegs des Lenkrads, findet man die Knöpfe "Map" und "Menue", gegenüber die Knöpfe "Talk" und "Neutral". "Talk" drücke ich, wenn ich mich mit meiner Box unterhalten will, "Neutral" wird bedient, wenn der Leerlauf eingeschaltet werden soll, was besonders in der Vorstart-Phase von Bedeutung ist. Und natürlich bei Drehern oder Ausrutschern, denn dann wird durch den Knopf verhindert, daß der Motor abstirbt. Was ungeheuer wichtig ist, denn es gibt ja keinen Anlasser.Ziemlich diffizil wird es bei den Bedienungselementen "Map" und "Menue". Drücke ich auf "Map", erscheint auf dem Display das Software-Kennfeld für das Benzingemisch. Vom Reglement her sind nur noch drei Unterscheidungen erlaubt: fett, normal, mager. Erscheint beispielsweise die Normal-Anzeige, ich bin aber der Meinung, daß ich fetteres Gemisch brauche, dann drücke ich den Knopf mit dem +. Mit dem "Menue"-Knopf kann ich alle anderen Software-Funktionen abrufen. Zur Auswahl habe ich Differential-Funktionen, den Gaspedalweg, die Stärke der Servolenkung, den Druckpunkt der Kupplung, die Motorbremse. Differential und Stärke der Servolenkung brauche ich nicht näher zu erläutern, mit + und - schwäche oder verstärke ich die jeweiligen Werte nach Bedarf. Das mache ich auch, wenn es um den Gaspedalweg geht. Hinsichtlich des Druckpunktes der Kupplung und der Motorbremse: Beides ist im begrenzten Maße vom Lenkrad her zu beeinflussen.Was es heißt, diese kleinen Knöpfe bei Tempo 270 zu drücken, die Werte abzulesen und dann zu verändern, kann sich sicherlich jeder ausmalen . . .

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