Sport : „Bei Wetten besteht Suchtgefahr“

Oddset-Chef Erwin Horak über Gefahren, Quoten und Skandale

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Herr Horak, haben Sie schon auf den Weltmeister gewettet?

Nein. Ich bin bisher nicht dazu gekommen. Die künftige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts beschäftigt uns alle sehr. Ich werde aber noch wetten.

Fürchten Sie, dass das Gericht den Wettmarkt liberalisieren wird?

Es darf und wird keine völlige Freigabe für Sportwetten geben. Das ergibt sich auch aus den Expertisen der Suchtexperten, die beim Gericht eingereicht wurden. Insbesondere bei Wetten besteht eine Suchtgefahr. Deshalb darf für sie auch nicht offensiv geworben werden.

Aber Sie werben doch. Oddset ist sogar offizieller Sponsor der Fußball-WM.

Wir werben nur moderat. Es gibt derzeit einen Graumarkt mit privaten Wettanbietern, die wir als illegal ansehen. Mit denen stehen wir faktisch im Wettbewerb. Schauen Sie sich um, wie unsere Konkurrenten bei den Wintersport-Wettbewerben geworben haben. Es gibt eine Goldgräberstimmung auf dem Wettmarkt, alle wollen groß verdienen. Dagegen müssen wir trotz unserer staatlichen Abgaben und Verpflichtungen bestehen.

Ihre Konkurrenten haben auf alle Fälle die besseren Quoten zu bieten.

Wenn der Markt liberalisiert werden sollte, geht das nur unter gleichen Bedingungen. Wir können in diesem Fall nicht mehr eine so hohe Steuer- und Abgabenquote zahlen wie jetzt.

Sie betreiben 25 000 Lotto-Annahmestellen. Auch die Verwaltung kostet Geld.

Ich bin mir sicher, dass die Annahmestellen ein Vorteil sind. Bei uns gibt es Service und Beratung an jeder Ecke.

Im Internet geht es schneller. Und man kann auf die nächste Gelbe Karte setzen.

Das ist unseriös. Wir bieten nur Wetten auf sportliche Ergebnisse an, nicht etwa auf Trainerentlassungen, weil hier Insiderwissen missbraucht werden könnte. Live-Wetten auf Gelbe Karten sind anfällig für Manipulationen. Beim derzeitigen Betrugsskandal sieht man, dass vor allem solche Wetten im Ausland platziert wurden.

Aber am Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer war Oddset beteiligt.

Moment! Das war ein Sportskandal, kein Wettskandal. Schließlich ist ein Schiedsrichter bestochen worden und hat Spiele verschoben. Ein Teil der Wetten war in der Tat bei uns platziert, das Angebot war aber nicht das Problem. Die kriminelle Energie konzentrierte sich auf das Spielfeld.

Wetten Sie eigentlich im Internet?

Ja, auf unserer Homepage. Manchmal auch nur zu Testzwecken.

Das Gespräch führte Robert Ide.

Erwin Horak, 55,

ist Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern. Unter

seiner Leitung wurde 1999 die staatliche Sportwette Oddset entwickelt.

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