Sport : Bei Wind und Wetter

Laura Ludwig und Sara Goller sind im Beachvolleyball in die Weltspitze aufgerückt

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Eine Handbreit höher. Sara Goller (rechts) und ihre Partnerin Laura Ludwig überzeugen bislang in Berlin. Foto: dpa
Eine Handbreit höher. Sara Goller (rechts) und ihre Partnerin Laura Ludwig überzeugen bislang in Berlin. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Der Ball knallte ihr direkt vor die Brust, Laura Ludwig konnte nur noch die Arme hochreißen, aber eine richtige Abwehr war das natürlich nicht, der Ball plumpste vor ihr in den Sand. Auf der anderen Seite des Netzes ertönte ein kreischender Schrei, Stefanie Hüttermann feierte den Punkt zum 17:19 im zweiten Satz des Achtelfinales der Beach-Volleyball-EM in Berlin. Es war allerdings das letzte Mal, dass Stefanie Hüttermann und Anni Schumacher in diesem Spiel etwas zu feiern hatten. Sieben Minuten später hatten sie 0:2 (15:21, 17:21) gegen Laura Ludwig und Sara Goller verloren.

Und während Sara Goller kurz danach an ihrem Trikot nestelte, sagte sie: „Na ja, wir haben nicht gedacht, dass wir die beiden klar weghauen.“ Mit wirklichen Problemen hatte sie aber auch nicht gerechnet. Sie wären nicht auf Platz eins der europäischen und Rang vier der Weltrangliste geklettert, wenn sie vor einem deutschen Durchschnittsduo Angst haben würden.

Für Goller und Ludwig, das deutsche Topteam von Hertha BSC, begann das Turnier im Grunde genommen gestern erst mit ihrem Viertelfinalspiel. Sie schlugen die Holländerinnen Marloes Wesselink und Madelein Meppelink 2:0 (21:10, 21:18) und stehen ebenso heute im Halbfinale wie das zweite deutsche Paar Katrin Holtwick und Ilka Semmler . „Wir wollen hier unser bestes Volleyball bieten, ganz einfach“, sagte Goller. Das ist die ehrliche Antwort. Die taktische wäre gewesen: „Wir wollen unbedingt Europameister werden.“ Das ist nicht gelogen, aber sie müssen den Titel nicht unbedingt holen. Jedenfalls nicht, um sich etwas sportlich zu beweisen. Ihre Klasse haben sie die ganze Saison über gezeigt. „Wir wissen, dass wir alle schlagen können“, sagte Goller. Ihr Trainer Craig Seuseu, der sie im zweiten Jahr betreut, hat die beiden enorm weiterentwickelt.

Aber, und jetzt wird Gollers Blick konzentrierter: „Titel zählen in Deutschland sehr viel. Damit kann man natürlich leichter Sponsoren finden.“ Im Januar ging ein Sponsor insolvent, sein Geld blieb aus. Auch Sponsorengelder von 2009 wurden noch nicht überwiesen. „Das tat schon weh“, sagte Goller. Andererseits erzählt ihr Manager Roland Weißbarth, „dass die Vermarktungslage der beiden immer noch sehr gut ist“. Das deutsche Duo arbeitet professionell. Goller und Ludwig haben auch in Los Angeles trainiert, unter anderem mit US-Teams. Und die Deutschen registrierten verblüfft, dass ihre Kolleginnen ihre Sachen packten, wenn es tröpfelte oder der Wind blies. „Die hatten dann keine Lust“, sagte Goller. Sie und Ludwig trainieren natürlich bei Regen. Auch deshalb, vermutet die Deutsche, könnten die Europäer ihren Übersee-Rivalen bald überlegener sein als jetzt.

Aber Sara Goller denkt auch strategisch. Es geht in Berlin auch um die Bedeutung von Beachvolleyball insgesamt. Deshalb sind die Resultate der Männer so wichtig, vor allem die der Weltmeister Julius Brink und Jonas Reckermann und die der Olympiafünften David Klemperer und Eric Koreng. „Ich hoffe, dass die sich zusammenreißen“, sagte Goller. Das taten die deutschen Männer am Freitag: Brink/Reckermann gewannen 2:0 gegen die Letten Martins Plavins und Janis Smedins, Koreng und Klemperer besiegten das spanische Duo Carrillo Lario/Raul Mesa ebenfalls mit 2:0. Beide deutschen Paare stehen somit im Achtelfinale.

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