Sport : Beide Angolas feiern

Wie das Land die Niederlage gegen Portugal erlebt

Uwe Bulthaup[Onjiva]

Nando Pontes und Hugo Manuel werden heute keinen Kilometer mehr fahren. Die beiden Lkw-Fahrer haben ihr Dienstfahrzeug in Onjiva abgestellt, einer Kleinstadt im Süden Angolas, 40 Kilometer von der Grenze zu Namibia entfernt. Ihr Lkw, randvoll mit namibischen Zwiebeln, befindet sich auf dem Weg in die Hauptstadt Luanda. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse haben sie für die etwa 1300 Kilometer lange Strecke 10 Tage eingeplant. Vielleicht kommt noch ein Tag dazu, denn heute könnten sich Nando und Manuel nicht mehr aufs Lenken konzentrieren. Heute spielt Angola gegen Portugal, und das ganze Land steht für die 90 Minuten Fußball gegen die alte Kolonialmacht still. Kurz vor dem großen Spiel lassen sich Nando und Manuel von ihren Adjudanten Pedro, Manuel und Lindo noch eine passende Mahlzeit kochen; es gibt Bohnen und Spaghetti.

Der Lieblingsspieler Lkw-Crew ist Akwa, der ebenso wie sie aus Benguela stammt, einer Stadt auf halbem Weg in Richtung Hauptstadt Luanda. Angola-Trikots tragen nur die beiden Fahrer. Die Adjuntantes können sich keines leisten – Nando erklärt, dass ein T-Shirt mit Angola-Aufdruck etwa zehn US Dollar kostet. Im Monat verdient ein Adjutante nur 100 US-Dollar, ein Fahrer etwa das Sechsfache. Aber ob T-Shirt oder nicht: Alle hoffen auf einen Sieg Angolas. Glauben tun das aber dennoch die wenigsten.

Einen Fernseher findet die Crew in einer Bar in Onjiva. Sie gehen in den größeren von zwei Räumen, umgeben von Spielautomaten und einfachen Leuten und Einheimischen. Der andere Raum ist den besseren Angolanern vorbehalten, den Reichen und denen portugiesischer Abstammung. Die größere Begeisterung herrscht eindeutig im Raum mit den Spielautomaten, wo trotz der frühen Führung der Portugiesen jeder gelungene Pass bejubelt wird, die zahlreichen Chancen der Portugiesen werden großzügig ignoriert. Begeistert sind die Fans vor allem von Akwas Fallrückziehern, auch wenn sie vergeblich sind. Nach der ersten Halbzeit herrscht eine Stimmung wie im Stadion.

Im anderen Raum geht es gesitteter zu. Auch die Portugiesen versichern, dass ihr Herz für Angola schlägt, selbst wenn sie sonst für Portugal zittern, auch wenn Francisco Manuel Bento, oder auch Dr. Bento, nicht so recht an einen Sieg Angolas glauben mag. Der Militärarzt hat schon mal von der deutschen Kanzlerin mit unbekanntem Namen gehört und vom Münchner Oktoberfest. Mehr weiß er über das Land, in dem die Schwarzen Antilopen gerade spielen, aber nicht.

Obwohl sich am Ende Portugal knapp mit 1:0 durchsetzt, verlassen die Zuschauer applaudierend den Raum. Die Gläser bleiben heil, der Fernseher auch. Lindo, Nando, Pedro und Manuel skandieren noch einige Minuten „Angola, Angola“. Sie sind stolz auf ihre Mannschaft, dass sie überhaupt dabei ist bei der WM im fernen, unbekannten Deutschland. „Wir sind ja schließlich das erste Mal dabei, und die nächsten Gegner wie Mexiko und Iran sind vielleicht doch zu schlagen“, sagt Pedro.

Auch Fernando und Tomane im Nebenraum sind stolz auf ihre Angolaner und wollen ein gutes Spiel gesehen haben. Sie hatten zuvor alle auf einen Sieg Portugals getippt und genehmigen sich erst mal noch ein gutes Glas Wein, der, wie fast alles hier, importiert ist. Der gute Wein kommt in diesem Fall aus Südafrika.

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