Sport : Beim 1:1 in Trondheim vermisst der Nationalspieler den nötigen Respekt

Andrea Wimmer

Ottmar Hitzfeld und Uli Hoeneß waren voll des Lobes, der "Kaiser" freute sich sogar im fernen Neuseeland mit - doch einer wirkte ziemlich frustriert: Als der FC Bayern München auch ohne Lothar Matthäus internationale Klasse zeigte, offenbarte eine Szene in der Champions-League-Partie bei Rosenborg Trondheim, dass es mit der Harmonie beim Deutschen Fußball-Meister nicht zum Besten steht. Denn Mehmet Scholl, in der 80. Minute von Carsten Jancker heftig attackiert und beschimpft, beklagte öffentlich, ihm werde zu wenig Respekt entgegengebracht. "Das war ein Mosaiksteinchen", erklärte er so vielsagend, dass die Führungsriege ihm noch am Mittwochabend nach dem 1:1 (1:0) in Norwegen umgehend mit Komplimenten den Rücken stärkte. Und Hitzfeld wies Jancker sogar zurecht: "Es geht nicht, dass ein Spieler einen anderen auf dem Platz so kritisiert."

Die spielerische Leistung trotz der Ausfälle von Matthäus, Jens Jeremies, Thomas Strunz, Giovane Elber und Bixente Lizarazu sowie das gelungene Not-Experiment mit der Vierer-Abwehrkette wurden von dem Vorfall und den anschließenden Scholl-Aussagen fast in den Hintergrund gedrängt. Scholl, einer der Besten, hatte sich Janckers Zorn zugezogen. Denn er hatte sich selbst vor dem gegnerischen Tor versucht, anstatt an den einschussbereiten Stürmer abzugeben. Hüne Jancker (1,93 m), der 1:0-Torschütze (10.) der Bayern, rempelte den 1,77-m-Mann und schnauzte ihn lautstark an. Scholl wehrte sich: "Ich bin einer der Letzten, der egoistisch ist."

Als er kurz nach der Attacke ausgewechselt wurde, deutete der 29-jährige Offensivspieler demonstrativ auf sein Auge, als wolle er Hitzfeld auf den Vorfall hinweisen und seinen Unmut über die Herausnahme zeigen. Das habe nicht dem Coach gegolten, beteuerte Scholl zwar später. "Ich habe zum Trainer ein sensationell gutes Verhältnis." Doch auf die Frage, wen er dann gemeint habe, sagte er: "Das wird man im Laufe des Jahres sehen." Beim Mitternachts-Bankett im Hotel erklärten die Bayern die Angelegenheit bereits für abgehakt. "Das Thema ist erledigt. Sie haben sich ausgesprochen und die Hand gegeben", so Hitzfeld. Eine Geldstrafe für Jancker werde es nicht geben. "Ich habe mich dafür entschuldigt", sagte der Torjäger. Und: "So etwas gehört zum Fußball, wir sind ja nicht beim Schach."

Die Münchner redeten lieber von den positiven Aspekten des Abends, an dem sie nach einer sehr starken ersten Halbzeit doch noch den Sieg und eine bessere Ausgangsposition in der Gruppe C verschenkten. "Das war das beste Champions-League-Spiel in dieser Saison", erklärten Hoeneß und Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge. Aber Rosenborg hatte es den Bayern auch nicht allzu schwer gemacht. "Es ist lange her, dass wir in der Champions League so schlecht gespielt haben", gab Coach Nils Arne Eggen zu. "Wir waren die bessere Mannschaft", lobte Hitzfeld, "wir haben das Spiel total im Griff gehabt." Stefan Effenberg meinte: "Wenn wir so spielen, ist mir nicht bange, dass wir uns in der Gruppe durchsetzen werden." Doch die gemeinsam mit Trondheim hinter Real Zweitplatzierten der Gruppe sind nun am 7. Dezember gegen Dynamo Kiew in Zugzwang. Scholl: "Wir müssen zu Hause gewinnen."

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