Sport : Beim Bruder abgeguckt

Wie Anja Dittmer den Triathlon-Weltcup holte

Maria Sägebarth

Frankfurt am Main - Die Saison ist länger geworden als geplant. Viel länger. Aber auch viel erfolgreicher. Triathletin Anja Dittmer kann das letzte Weltcup-Rennen am kommenden Sonntag in Rio de Janeiro genießen. Sie tritt als erste deutsche Gewinnerin des Gesamtweltcups an. Attacken ihrer Konkurrenz braucht die 29-Jährige nicht mehr zu befürchten. „Das macht die Sache angenehm“, sagt die gebürtige Neubrandenburgerin.

Eigentlich wollte sie sich schon im September in die Winterpause verabschieden. Schließlich läuft die Saison schon seit der Weltmeisterschaft in Neuseeland im Dezember 2003. Dass sie sich immer noch im Training befindet, hängt damit zusammen, „dass ich plötzlich die Nummer eins im Weltcup war und das nicht kampflos aufgeben wollte“. Die 25 000 Euro Siegprämie und der historische Erfolg lockten. Deshalb stellte sie ihre Planungen um und ging im mexikanischen Cancun an den Start, gewann und holte den Gesamtsieg. Dem elften Platz im Olympischen Rennen von Athen folgte damit der größte Erfolg in ihrer Karriere. Er war schwer erkämpft. „Cancun war eines der härtesten Rennen meiner Laufbahn“, erzählt die Sportsoldatin. „Schon beim Radfahren habe ich furchtbar gelitten. Aber mit dem Wissen, dass es meinen Gegnerinnen nicht besser geht, habe ich mich durchgebissen.“

Diese Steher-Qualitäten hat sie sich von ihrem Bruder abgeguckt. Andreas Dittmer ist Deutschlands erfolgreichster Kanute und geht ab und zu mit seiner kleinen Schwester joggen. „Er ist mein großes sportliches Vorbild“, sagt Anja Dittmer. „Die Art, wie er trainiert, an den Wettkampf rangeht, auf den Punkt genau extrem konzentriert ist und bis zum Schluss beißt, versuche ich auf meinen Wettkampf zu übertragen.“ Dass das nicht immer klappt, musste sie schon lernen. Nicht nur, weil ihr Bruder seine Konkurrenz dominiert und gelöster an den Start geht, sondern auch, weil es „beim Triathlon stark auf die Strecke und die äußeren Bedingungen ankommt“. Die Strecke in Athen lag ihr gar nicht, die in Cancun schon eher.

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