Beim Gegner HSV : Olympia als Bremsklotz

Der heutige Füchse-Gegner HSV Hamburg kommt in der Handball-Bundesliga nur schwer in Tritt - trotz der individuellen Klasse der Spieler.

Hartmut Moheit

Berlin - Im Outfit des französischen Kaisers und Feldherrns Napoleon hatte sich Bob Hanning den Hamburgern vor ein paar Jahren gezeigt. Das war zu seiner Zeit als Trainer des dortigen Handball- Bundesligisten, als der praktisch schon insolvent war. In seinen 28 Monaten in Hamburg zwischen Dezember 2002 und Mai 2005 schaffte es Hanning „auch mit abwegigen Geschichten dieser Art“, sein damaliges Team in den Blickpunkt zu rücken und damit für potenzielle Sponsoren interessant zu machen. Die Geschichte von einst verfolgt ihn seitdem, obwohl er längst als Geschäftsführer der Füchse Berlin eine neue Erfolgsstory schreibt. „Ganz klar, dass ich immer noch mit besonderen Gefühlen nach Hamburg fahre“, sagt Hanning. Auch bei seinem heutigen Trip dorthin, wenn die Füchse ab 20.15 Uhr in der Color Line Arena auf den HSV Hamburg treffen werden, habe er keine freie Minute.

Es hängt ganz bestimmt auch mit Bob Hanning zusammen, dass die Füchse vom HSV-Team nicht als leichte Beute behandelt werden. „Dass wäre ein großer Fehler“, sagt HSV-Sportchef Christian Fitzek. „Wenn wir zwischen Meister Kiel oder den noch nicht so weiten Berlinern unterscheiden würden, wäre das für uns destruktiv.“ Mit 6:6 Punkten und Platz elf nach sechs Spielen war der Saisonstart des vorjährigen Champions-League-Halbfinalisten aus Sicht von Geschäftsführer Peter Krebs „nicht wie erhofft“. Neun Spieler waren bei Olympia in Peking, dazu kamen die Ausfälle von Pascal Hens und des gerade erneut operierten Oleg Velyky, dadurch sei die Abstimmung noch nicht wieder so perfekt wie im Jahr zuvor. So hart wie den HSV, der praktisch einen Kaltstart hinlegen musste, hat es keine andere Mannschaft in der Bundesliga getroffen.

Dass dennoch in den Hamburger Medien schon ein wenig Unmut aufkommt und es bereits seitens des HSV zu Treueschwüren auf Trainer Martin Schwalb kommen musste, versteht Christian Fitzek dennoch nicht: „Wenn es bei uns auch ohne die sonst üblichen sieben Wochen Saisonvorbereitung geklappt hätte, dann könnten wir uns ja diese Zeit zukünftig generell sparen.“ Die Fans halten dem HSV dennoch die Treue. Für das Spiel gegen die Füchse waren gestern bereits 6500 Karten verkauft worden, mit knapp 7500 Zuschauern wird gerechnet.

Bob Hanning hat keinen Zweifel daran, dass die Hamburger, „die individuell das bestbesetzte Team der Liga sind“, recht schnell wieder das Niveau mitbestimmen werden. „Zwischen den Füchsen und Hamburg liegen derzeit nicht nur Welten, es ist noch eine Galaxie“, sagt er. „Bei denen bekommt der billigste Spieler so viel wie bei uns der teuerste.“ Die Reihe der Stars ist lang: Von Torwart Bitter über die Brüder Gille und Lijewski, Lackovic bis hin zu Linksaußen Jansen, einem der Weltmeister – und auch einstigem Meisterschüler von Hanning.

Dass die Vergleiche zwischen dem HSV und den Füchsen seitens der Norddeutschen zu Spielen gegen Hanning hochstilisiert werden, streitet Fitzek ab. „Nein, diese Geschichte hält eher Bob Hanning gern am Kochen. Aber das ist ja okay, er versteht eben das Metier der Vermarktung“, sagt der ehemalige Nationalspieler. Wenn der 1,69 Meter große Hanning heute die Arena betritt, wird so mancher Hamburger das Bild vom HSV-Napoleon wieder vor Augen haben.

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