Sport : "Beim Skispringen bist du schnell wieder unten"

Herr Hocke[Sie sind der neue deutsche Geheimfavor]

Stephan Hocke (18) aus Oberhof hat in diesem Winter sein erstes Weltcupspringen auf der Schanze in Engelberg in der Schweiz gewonnen.

Herr Hocke, Sie sind der neue deutsche Geheimfavorit für die Vierschanzentournee. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Von einem Sieg zu träumen, ist unrealistisch. Ich möchte immer unter die ersten 30 kommen und meine Sprünge sauber runterbringen. Ein Gesamtziel setze ich mir gar nicht erst: Falls ich das nicht erreiche, ist der Frust hinterher nur umso größer.

Wen sehen Sie als Favorit für die Tournee an?

Die Springer, die bisher in diesem Jahr vorne dabei waren und gleichzeitig schon die nötige Erfahrung besitzen. Vor allem Adam Malysz, Sven Hannawald - und Martin Schmitt.

Martin Schmitt als Favorit - trotz seiner Krise in den letzten Wochen?

Ich bin sicher, dass Martin bis zum Start am Sonntag wieder voll da ist. Das hoffe ich auch für unser Team, denn gerade für die jüngeren Springer ist es unglaublich motivierend, wenn Martin Supersprünge hinlegt.

Ist sein Formtief für Sie nicht eher eine Chance, nach ganz oben zu kommen?

Das sehe ich nicht so: Je besser Martin in Form ist, desto besser ist es für uns alle - auch für mich. Denn zurzeit ist mir der Rummel um mich manchmal sogar zu groß.

Haben Sie Angst, dass der Rummel noch stärker wird, wenn Sie weiter so erfolgreich sind wie beim Sieg in Engelberg?

Engelberg war ein Springen, nicht der Durchbruch nach ganz oben. Im Skispringen geht es ganz schnell. Heute bist du der Größte, schnell aber auch wieder unten.

Aber Ihre Leistungen haben die Ansprüche an Sie gewaltig gesteigert. Sie fahren auch zu den Olympischen Spielen - mit 18 Jahren.

An Olympia denke ich noch gar nicht. Bis dahin kann noch so viel passieren.

Auch nicht abends im Bett?

Ich habe den ganzen Tag Skispringen um die Ohren. Da mache ich mir nicht auch noch im Bett Gedanken darüber.

Wie lassen sich bei dem Stress noch Schule und Sport vereinbaren?

Zurzeit leidet die Schule wirklich etwas. Ohne Nachhilfe wäre es schwierig. Schließlich trainiere ich täglich, manchmal zweimal.

Wo müssen Sie sich denn noch verbessern?

Der Flug ist schon ziemlich gut. Aber beim Absprung habe ich noch Reserven. Das ist vor allem eine technische Sache, aber auch eine Frage der Konzentration.

Können Sie sich bei der Tournee überhaupt oben auf der Schanze konzentrieren? Oder ist die Nervosität zu groß?

Nervös bin ich nicht, aber es ist unglaublich spannend. Im letzten Jahr habe ich die Vierschanzentournee im Fernsehen gesehen. Jetzt springe ich mit - zusammen mit den Springern, denen ich beim letzten Mal von zu Hause aus die Daumen gedrückt habe.

Haben Sie ein Vorbild unter Ihren Kollegen?

Früher hatte ich eines: Sven Hannawald. Aber das war einmal. Jetzt bin ich selber dabei ...

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben