Sport : Beinlich bei Hansa Rostock vor Comeback

Kerstin Hebeler

Rostock - Beim Interview legt der Hansa-Kapitän die Beine hoch. „Darf ich? Danke, das tut gut“, sagt Stefan Beinlich und rückt den Stuhl zurecht. Der 35-Jährige ist nicht etwa ein unhöflicher Mensch. Im Gegenteil. Zum Kapitän ernannte ihn Hansa Rostocks Trainer Frank Pagelsdorf wohl auch deshalb, weil der Routinier selbst in hitzigen Momenten auf dem Platz die Contenance bewahrt. Doch Schmerzen in beiden Knien setzen den Rostock-Rückkehrer, der bereits von 1994 bis 1997 an der Küste unter Pagelsdorf kickte, seit knapp zwei Monaten außer Gefecht.

Ende August, am 3. Spieltag, bestritt Beinlich sein bislang letztes Punktspiel für die Hanseaten. Seitdem ist er Dauergast beim Rostocker Mannschaftsarzt, bei einem Heilpraktiker, einem Physiotherapeuten oder aber einem Osteopathen. Er stemmt Hanteln, schwitzt auf dem Crosstrainer und lässt sich mit Hilfe von Akupunktur, Laser und Strom behandeln. Dieser Einsatz könnte sich jetzt auszahlen. Beinlich, der vergangene Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist, wird aller Voraussicht nach am Samstag beim Heimspiel gegen Schalke im Kader stehen.

Beinlich hofft auf ein Comeback, ohne sich unter Druck zu setzen. „Ich spiele nur, wenn ich 100-prozentig fit bin. 80 oder 90 Prozent bringen in der Ersten Liga nichts“, sagt der Mittelfeldspieler, der in der vorherigen Saison fast vor jeder Partie Schmerzmittel nehmen musste. Dem jüngsten Aufschwung seines Teams, das nach fünf Niederlagen in Folge drei Mal hintereinander gewann, bevor es beim VfL Wolfsburg verlor, konnte Beinlich bisher nur von der Seitenlinie aus beiwohnen. Etwas verkürzt ließe sich auch sagen: Seitdem Beinlich nicht mehr spielt, ist Rostock auf gutem Kurs. Zwar ist das nicht ganz richtig und hat auch mit taktischen Umstellungen im Mittelfeld und personellen Konsequenzen für die Abwehr zu tun, doch dem Vorzeigeprofi mit mehr als 280 Bundesligapartien in den Knochen mag es mitunter so vorkommen, wenn er - nah dran, und doch nicht dabei - auf der Auswechselbank sitzend mitfiebert.

Trainer Pagelsdorf macht indes deutlich, dass es um seinen Führungsspieler keine Diskussion gibt: „Wenn er fit ist, spielt er. Er ist für die Mannschaft enorm wichtig. Er hat die entsprechende Übersicht und kann zum Beispiel das Tempo aus einem Spiel nehmen.“ Beinlichs Rückkehr wird nichtsdestotrotz nur von kurzer Dauer sein. Sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der Saison, eine Verlängerung scheint ungewiss. Kerstin Hebeler

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