• Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft - Kaiserslautern flüchtet nach der Pleite gegen Lens in Galgenhumor

Sport : Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft - Kaiserslautern flüchtet nach der Pleite gegen Lens in Galgenhumor

Reinhard Schwarz

Jürgen Friedrich flüchtete in Galgenhumor. Nur so schien offenbar für den Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern der sang- und klanglose Drittrunden-K.o. im Uefa-Cup halbwegs erträglich zu werden. "Heute haben wir die deutsch-französische Freundschaft etwas übertrieben", klagte Friedrich nach der blamablen 1:4 (1:2)-Pleite gegen den RC Lens. Der Geste gegen das Vergessen mit dem herzlichen Empfang für den bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Lens von deutschen Hooligans lebensgefährlich verletzten französischen Polizisten Daniel Nivel ließen die Lauterer Profis Gastgeschenke in Form vermeidbarer Tore folgen.

FCK-Torwart Andreas Reinke, der sich nach dem Debakel als einer der wenigen Lauterer den Interviews stellte, räumte ein: "Es war grausam. Jetzt sind wir die Deppen. Wir sind total enttäuscht, müssen uns aber an die eigene Nase fassen." Das abrupte Ende aller Uefa-Cup-Träume müsse so schnell aus den Köpfen verbannt und ein moralischer Knacks für die Bundesliga vermieden werden. Ulm (Gegner am Sonntag) oder Unterhaching statt Mallorca oder Monaco. Bei den "Roten Teufeln" ist Alltag eingekehrt.

"Da darf man sich nicht wundern, wenn man verliert", sagte der zerknirschte FCK-Trainer Otto Rehhagel nach der zweithöchsten Heimniederlage der Pfälzer im 80. Europapokalspiel. Nur Bayern München hatte in der vergangenen Champions-League-Saison mit einem höheren Ergebnis (4:0) den Betzenberg erstürmt. Der 2:1-Hinspielsieg in Lens wurde von den vor allen in der Abwehr von allen guten Geistern verlassenen Lauterern als trügerisches Polster entlarvt. Rehhagels Warnung, dass "im Europapokal alles möglich" ist, wurde von seinem konfusen Team in den Wind geschrieben.

Beim kollektiven Versagen der FCK-Profis avancierte Jeff Strasser zum Unglücksraben Nummer Eins. Der luxemburgische Nationalspieler begünstigte durch einen Stellungsfehler nicht nur die 1:0-Gästeführung durch Joseph Job (20.), sondern fälschte in der 55. Minute auch noch Jobs Schuss ins eigene Tor ab. Der leichtfüßige Kameruner, der nach schwerem Patzer von FCK-Torwart Andreas Reinke auch das 1:2 (40.) besorgte, war von der schwerfälligen Pfälzer Abwehr nie in den Griff zu bekommen. Für Strasser setzte sich das Trauma Lens fort. Mit dem FC Metz hatte er 1998 die Meisterschaft nur auf Grund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Lens verpasst, ein Jahr später das Liga-Pokalfinale gegen die Nordfranzosen verloren.

Die 1500 Gäste-Fans feierten den nicht mehr erwarteten Einzug ins Achtelfinale. Trainer Francois Brisson, der als Spieler 1984 in Los Angeles mit Frankreich die olympische Goldmedaille geholt hatte, sprach von einem "historischen Sieg", nach dem Lens erstmals in einem europäischen Wettbewerb überwintert. Der frühere Karlsruher Alexander Nyarko, Torschütze zum 1:4 in letzter Minute, brachte seine Gemütslage hinterher auf einen einfachen Nenner, als er feststellte, dieser Triumph sei einfach nur "ein geiles Gefühl".

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