Sport : Bekannter als die Popstars

Ernst Podeswa

Manchmal muss Magdalena Forsberg über sich selber staunen. "Ist es nicht verrückt?", fragt die 34-Jährige, die in ihrer Heimat zur "Schwedin des Jahres 2001" gewählt wurde. Noch vor Popstars, Künstlern, Politikern und Wissenschaftlern. "Oder Leuten, die anderen das Leben gerettet haben", erzählt Forsberg, "und ich mache nur Biathlon."

Das allerdings auf eine Art und Weise, die nicht nur ihre Landsleute beeindruckt: Sechsmal holte sie den Weltmeistertitel, fünfmal hintereinander den Gesamtweltcup und 38 Mal gewann sie ein Weltcuprennen. Allerdings nicht gestern. Beim Sprint über 7,5 km vor mehr als 6000 Zuschauern in Oberhof musste sie sich knapp hinter der Norwegerin Liv Grete Poiree und der Russin Olga Pylewa mit dem dritten Rang zufrieden geben. Diese waren ohne Strafrunde geblieben. Im Gegensatz zu Forsberg und der Viertplatzierten Uschi Disl, die jeweils einmal beim Schießen patzten.

Die Schwedin nahm es gelassen. Vielleicht hat sie sich an ihr Missgeschick vor Jahresfrist im slowakischen Osrlbie erinnert. Da hatte sie im Eifer des Gefechts fünf Treffer auf die falsche Scheibe abgefeuert und kassierte dafür regelkonform zehn Strafminuten: statt Rang eins oder zwei wurde sie 93. unter 94 Teilnehmerinnen. Die Ausnahmeerscheinung im Frauenbiathlon reagierte damals mit einem Lächeln auf den Blackout. "Sollte ich denn weinen?", fragt sie freundlich. Das macht sie so populär: Der souveräne Umgang mit Resultaten, die für sie wie eine Niederlage wirken müssen, und der Respekt vor den Gegnerinnen.

Auch die Wünsche der Medien versucht sie möglichst zu erfüllen. Diesmal aber hat sie mit ihrem deutschen Trainer Wolfgang Pichler aus Ruhpolding vereinbart, "auch mal Nein zu sagen - wenngleich das mitunter schwer fällt". Eine Konsequenz aus dem Trubel beim Vorjahreswettbewerb. "Da musste ich den Medien in Schweden per Telefon stundenlang Auskunft geben und habe mich dabei erkältet."

Diesmal überträgt das schwedische Fernsehen live von der ORA-Trophy, einem Gemeinschaftswettbewerb der Weltcuporte Oberhof, Ruhpolding und Antholz. Nach den Olympischen Spielen will sie ihre Karriere beenden und ihre Ehe mit dem Biathleten Henrik Forsberg durch Nachwuchs erweitern. Vorher aber möchte sie die letzte Chance auf eine olympische Goldmedaille nutzen. Die fehlt der erfolgreichsten Biathletin aller Zeiten erstaunlicherweise. In Nagano 1998 landete sie auf den Rängen 14 und 17. Wenn das mit dem krönenden Abschluss der Laufbahn nicht klappt, erzählt Forsberg, dann werde sie zwölf Monate später auch nicht unglücklicher sein. "Denn ich habe in meinem Sport bisher viel Glück gehabt."

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