Sport : Beleidigte Amateure

Der FC Bayern München hat Angst vor einer Krise

NAME

Leverkusen. Die Analyse, die Karl-Heinz Rummenigge nach der ersten Niederlage des FC Bayern München in der laufenden Bundesliga-Saison betrieb, klang nicht nur weinerlich, sie sprach auch für die derzeitige Überheblichkeit des Branchenführers gegenüber der nationalen Konkurrenz. Es nervte den Vorstandschef der Bayern offenbar gewaltig, dass die Vizemeister von Bayer Leverkusen bei ihrem 2:1-Sieg nicht auf schöngeistige spielerische Mittel zurückgegriffen hatten und nicht auf das charakteristische Kurzpass-Spiel vertrauten, sondern auf Kampf setzten, auf Grätsche und Zerstörung. Rummenigge hatte ein „furchtbares Niveau“ gesehen, „eine Hackerei, wie ich sie noch nie erlebt habe“. Für ihn war es „das schlechteste Spiel zwischen beiden Mannschaften in den letzten zehn Jahren“.

Irgendwie klang das alles ziemlich beleidigt – hatten sich die Leverkusener doch ausgerechnet gegen den Widersacher aus München aus der Krise gekämpft. Mit dem Willen eines Siegers, der nach dem Platzverweis von Brdaric mit zehn Spielern um jeden Meter kämpfte. Mit dem Können eines Siegers, der mit dem wunderbar herausgespielten zweiten Tor belohnt wurde. Und mit der Gelassenheit eines Siegers, dessen Fans auf Transparenten den in der vergangenen Saison so ungnädigen Fußballgott verspotteten.

Hier zu verlieren, und dann noch so schnöde wie geschehen, das ärgerte den FC Bayern. Denn die Münchner waren von Anfang an so aufgetreten, als ob sie schon vorher innerlich die drei Punkte für sich verbucht hatten, auch die Startaufstellung (ohne Elber, dafür mit Niko Kovac und Pablo Thiam) ließ das vermuten. Der allgemeinen Auffassung, die Bayern wollten Schlüsselspieler für das Champions-League-Heimspiel am Mittwoch gegen den AC Mailand schonen, trat Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld aber energisch entgegen. „Elber hat in Lens schlecht gespielt“, verteidigte sich der Coach, „außerdem kann er nicht immer spielen.“ Stattdessen machte er die schlechte Chancenausnutzung und „amateurhaftes Benehmen“ in der Abwehr verantwortlich für die erste Niederlage der Bayern seit dem 1:2 im März beim FC St. Pauli. Speziell die Situation vor dem 0:2, als Salihamidzic Ojigwe an der Torauslinie hatte ziehen lassen, ärgerte Hitzfeld noch lange nach dem Abpfiff.

Selbst Michael Ballack, der wie Ze Roberto bei allen Ballkontakten in der Bayarena ausgepfiffen wurde, räumte ein, dass die Mannschaft „momentan unter ihren Möglichkeiten“ spiele. Das Wort Krise ist in der Bundesliga indes noch fehl am Platz, angesichts der weiterhin ungefährdeten Tabellenführung. Eine weitere Niederlage am Mittwoch hingegen würde wohl einige Erschütterungen in München auslösen. Erik Eggers

0 Kommentare

Neuester Kommentar