Sport : Beliebt und begehrt

Stefan Ustorf bleibt Kapitän im Nationalteam und wird von mehreren Klubs umworben

Claus Vetter

Berlin. Stefan Ustorf freut sich „wahnsinnig“. Und zwar auf die Eishockey-Nationalmannschaft. Für die ist der 29-jährige Stürmer schon gestern beim Länderspiel gegen Kanada in der Kölnarena aufgelaufen (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). Dort fungierte er als Kapitän, was schon ein wenig überraschen durfte. Schließlich ist Ustorf seit einer Woche ohne Verein, nachdem er von den Mannheimer Adlern suspendiert wurde. Seitdem buhlen einige Teams aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) um Ustorf: die Hamburg Freezers, die Berliner Eisbären und die Kölner Haie.

Haie? Richtig, der Klub, bei dem Nationaltrainer Hans Zach im Hauptberuf hinter der Bande steht. Und der Tölzer verhehlt nicht, dass er Ustorf gern auch als Klubtrainer betreuen würde. Daher die Sache mit dem „C“ auf Ustorfs Brust im Nationalteam? Natürlich nicht, sagt Zach. „Ich werde nicht persönlich mit Stefan Ustorf verhandeln. Das habe ich als Nationaltrainer immer so gehandhabt. Und er müsste in unser Budget passen.“

Ustorf selbst will keine Vertragsgespräche führen, ehe sein Anwalt seine rechtliche Position geklärt hat. Noch ist sein Vertrag in Mannheim nicht aufgelöst. Inoffiziell hat Ustorf, einst in der nordamerikanischen Profiliga NHL beschäftigt, aber schon einige Telefonate mit potenziellen neuen Arbeitgebern geführt. Besonders häufig saßen die Gesprächspartner in Berlin und in Hamburg. In der Szene heißt es längst, dass sich Ustorf für einen dieser beiden Klubs entscheiden wird. Aus privaten Gründen soll Ustorf Berlin favorisieren. Pierre Pagé findet denn auch, „dass Ustorf zu den Eisbären passen würde“. Der Eisbären-Trainer schätzt die Qualitäten Ustorfs. „Er ist ein deutscher Spieler, aber besser als viele Ausländer in der DEL.“

Dass sich Ustorf in der Länderspielpause der DEL entscheidet, erscheint unwahrscheinlich. Der Stürmer kann sich so gewiss sein, dass beim Deutschland-Cup am Wochenende in Hannover seine berufliche Zukunft im Mittelpunkt des Interesses stehen wird. Am Freitag spielt die deutsche Mannschaft beim Turnier in der Preussag-Arena zum Auftakt gegen die USA (20 Uhr).

Vor dem Deutschland-Cup haben sie sich beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) alle lieb. Der Sportdirektor lobt die Arbeit des Bundestrainers überschwänglich, wieder einmal. „Erfolgreicher kann man nicht arbeiten“, sagt Franz Reindl über Zach. Natürlich will Reindl den zum Jahresende auslaufenden Vertrag mit dem Bundestrainer verlängern. „Die Entwicklung ist so positiv, dass man gar nicht anders kann.“

Zach absolvierte gestern in Köln sein 100. Spiel als Bundestrainer. Der Jubilar wollte allerdings nicht „feiern, sondern testen“. Mit dem, der sich auf die Testspiele „wahnsinnig“ freut, eben Kapitän Stefan Ustorf. Bei der Weltmeisterschaft in Finnland hatte er noch verletzungsbedingt gefehlt. Der Deutschland-Cup kommt für den klublosen Stürmer „genau zur richtigen Zeit“, wie er sagt. Und natürlich weiß Stefan Ustorf, was sich gehört: „Der Hans Zach unterstützt mich und gibt mir vollstes Vertrauen.“ Wenn das nicht nach einem Bewerbungsgespräch bei den Kölner Haien klingt.

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