Sport : Bergetappe im Bundestag

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Robert Ide über den langen Streit

um ein AntiDoping-Gesetz

Manchmal sind politische Diskussionen so beschwerlich wie eine Bergetappe bei der Tour de France. Nehmen wir etwa den Streit um das Anti-Doping-Gesetz. Es soll nach dem Wunsch vieler rot-grüner Sportpolitiker den Betrug beim Sport verhindern – indem es bisherige Regelungen zusammenfasst und Doping generell unter Strafe stellt. Wenn man die Sache vorurteilsfrei betrachtet, könnte man sagen: Ein Anti-Doping-Gesetz ist eine gute Sache. Schließlich ist es kaum nachzuvollziehen, warum Athleten, die Dopingmittel konsumieren, nicht dafür bestraft werden sollen. Ebenso schwer ist zu erklären, warum in Frankreich und Italien unangemeldete Razzien in Trainingslagern von Radprofis stattfinden, in Deutschland aber nicht. Wenn man will, dass sich das ändert, fällt einem allerdings auf: Rot-Grün ist seit fünf Jahren im Amt, aber das von dieser Koalition oft geforderte Gesetz gibt es noch nicht. Warum eigentlich nicht?

Damit wären wir bei der Beschwerlichkeit der Politik. Es gibt viele Hindernisse für das Gesetz. Allen voran steht der organisierte Sport, der sagt: Um Dopingfragen würden wir uns gern allein kümmern. Die Politik traut dem nicht ganz. Deshalb richtete sie vor einem Jahr eine unabhängige Anti-Doping- Agentur ein, die sich um die Kontrollen der Sportler kümmern soll. Wer aber kümmert sich um die Bestrafung? Deutsche Staatsanwälte bisher selten, denn einem Anti-Doping-Gesetz steht neben dem Sport auch Bundesinnenminister Otto Schily entgegen. Er hat verlangt, zunächst die Wirksamkeit des Arzneimittelgesetzes, das die Weitergabe von Dopingmitteln untersagt, zu überprüfen. Das hat viele Monate gedauert. Seit Donnerstag liegt endlich das Ergebnis vor. Im Innenministerium heißt es, es sei ziemlich dürftig und biete kaum neue Argumente für ein Gesetz. Ist die Debatte also vorbei?

Nein. Im Herbst wird sich der Sportausschuss des Bundestages erneut mit dem Gesetz beschäftigen. Dann werden viele Parlamentarier ihre Argumente dafür vortragen und Schily seine dagegen. Nicht nur bei der Tour de France ist das Ziel noch weit entfernt.

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