Sport : Bergmann, Bademeister, Nationalspieler

Der frühere Fußballer Horst Szymaniak wird 70

Hans Dieter Baroth

Horst Szymaniak lacht. „Berlin war sportlich meine schrecklichste Zeit, aber menschlich gesehen war es eine sehr schöne Zeit“, erinnert sich der 43-malige Fußball-Nationalspieler. Ein Jahr kickte er für Tasmania 1900, in der Saison 1965/66 als Bundesligaspieler. In dem Team, das die schlechteste Saison aller Zeiten in der Bundesliga geschafft hat. „Im schönen Olympiastadion und dann vor nur 3000 Zuschauern“, sagt Szymaniak. „Das war schrecklich.“ Er redet lieber über die schönen Dinge, die er bei Tasmania erlebt hat. „Wir wussten sehr früh, dass wir absteigen mussten, aber es gab keine Vorwürfe, keinen Streit untereinander, keine Intrigen. Es war eine wunderbare Kameradschaft trotz der schlechten Lage.“ Der übliche Druck war nicht vorhanden.

Tasmania kam über Nacht zu seinem Platz in der Bundesliga. Weil Hertha BSC in finanzielle Unregelmäßigkeiten verwickelt war, wurde dem Klub vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Lizenz entzogen. Aus politischen Gründen sollte West-Berlin aber in der Bundesliga vertreten sein, deshalb wurde ohne Qualifikation und sportliche Vorbereitung der Regionalligist Tasmania 1900 Erstligist. Der Klub verpflichtete Nationalspieler Szymaniak. Über die kurze Saison weiß der wie auf Abruf: Er schoss ein Tor, es gab keinen Platzverweis, auswärts nicht einen Sieg, höchste Niederlage zu Hause 0:9 gegen den MSV Duisburg, höchster Sieg im Olympiastadion 2:0 gegen den Karlsruher SC.

Heute wohnt er in dem Provinzstädtchen Melle bei Osnabrück. Inzwischen bezieht der Balltechniker von einst seine Rente. Die wird ihm von der Bundesknappschaft ausbezahlt, die für Bergleute zuständig ist. In seiner westfälischen Geburtsstadt Oer-Erkenschwick begann sein Arbeitsleben, sieben Jahre lang im Bergbau unter Tage. „Mein Großvater war Bergmann, mein Vater, ich wurde es auch.“ Hier riefen sie den Horst nur „Schorse“. Sein erster Vertrag für den damaligen Zweitligisten Spielvereinigung Erkenschwick war mit 180 Mark pro Monat dotiert. Dem Verein und seiner Herkunft fühlt er sich verbunden. Eine Einladung der Stadt Wuppertal anlässlich des 70. Geburtstages von Bundespräsident Johannes Rau sagte Szymaniak ab, weil er versprochen hatte, ein Jugendturnier des westfälischen Oberligisten zu besuchen. Der Wuppertaler SV war sein zweiter Verein, er wurde Bademeister bei der Stadt und Vertragsspieler. 43 Länderspiele hat er absolviert, an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen. Als Mann der langen Pässe war er berühmt, seine Grätschen stellte er bei seinem Gastspiel beim AC Mailand ein, die Italiener spielten anders.

Am 29. August feiert Horst Szymaniak seinen 70. Geburtstag in Melle. In Berlin ist er auch mit einen Spruch bekannt geworden. Bei Vertragsverhandlungen soll er gesagt haben: „Ein Drittel? Nein, ich will mindestens ein Viertel.“

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