Berlin Adler : Football wie früher

Nach dem Ende des Lokalkonkurrenten Berlin Thunder hoffen die Berlin Adler auf eine bessere Zukunft - und auf mehr Fans.

Jennifer Witt

BerlinIn den vergangenen Jahren ist es still geworden im Berliner Jahn-Sportpark. Längst vergessen ist jene Zeit, in der mehrere Tausend Football-Fans zu jedem Heimspiel der Berliner Adler kamen, um ihre Mannschaft lautstark anzufeuern. Zuletzt klatschten die nicht mehr als 800 Zuschauer verhalten. Doch es besteht Hoffnung für den ehemaligen Deutschen Meister im American Football. Dass inzwischen wieder mehr Cheerleader für ihren Auftritt trainieren, gilt bereits als ermutigendes Zeichen.

Nach dem Ende des Lokalkonkurrenten Berlin Thunder hoffen die Berlin Adler bereits morgen (17 Uhr) gegen die Cologne Falcons auf eine bessere Zukunft. Es ist das erste Heimspiel des Bundeslisten nach der Auflösung der NFL Europa. Nun sind die Adler wieder der Berliner Verein, der in der höchstmöglichen Spielklasse, der German Football League (GFL), antritt.

Das war zuletzt anders. 1991 hatte die US-amerikanische Profiliga NFL einen Ableger namens World League geschaffen, der 1998 in NFL Europe umbenannt wurde. Ein Jahr später erhielt auch Berlin mit Thunder ein professionelles Footballteams. Das Ziel der NFL war es, den professionellen Football in Europa bekannter zu machen. Die US-Amerikaner wollten sich einen neuen Markt schaffen, vor allem in Deutschland. Schnell stellte sich aber heraus, dass hier zu Lande kein befriedigender Gewinn für die NFL zu erwirtschaften war. Sie verlor sogar über 400 Millionen US-Dollar.

Der Präsident der Berlin Adler, Frank Metscher, spottet über diese Zahl: „Für die NFL war Deutschland nur ein großes Trainingslager, dafür war es doch günstig.“ In der Tat nutzten die Klubs aus den USA die europäische Liga, um ihren Nachwuchs zu testen oder Reservespielern Praxis zu geben Nun wurde die NFL Europa aufgelöst. Thunder hatte sein letztes Heimspiel im Juni im Olympiastadion vor rund 10 000 Zuschauern. Davon träumen auch die Adler. „Wir hoffen, dass viele Fans wieder kommen“, sagt Oliver Flemming, der zuletzt bei Thunder spielte, nun aber wieder für die Adler antritt.

Die Gründe, weshalb das Publikum zu Thunder überlief, sind eindeutig: „Wir hatten einfach kein Geld, um solch eine Party zu veranstalten“, sagt Metscher, „und irgendwann hätte es sich auch nicht mehr gelohnt, weil immer weniger kamen.“ Football sei in der NFL Europa originaler gewesen, findet Axel Kruse, ehemaliger Hertha-Spieler und bis 2003 Kicker bei Thunder. Er fügt aber hinzu: „Football-Fan bleibt Football-Fan. Viele werden zurückkehren.“ Auch die Spielqualität der Adler habe nicht mit der von Thunder mithalten können, sagt Kruse.

Mittlerweile spielen die Adler in der GFL vorne mit, morgen geht es um die Tabellenspitze. Momentan liegen sie auf dem dritten Rang mit einem Punkt Abstand zum Ersten Braunschweig Lions. Die abtrünnigen Adler-Fans will man nun also mit Leistung überzeugen statt mit Partys. Damit es wieder richtig laut wird bei den Adlern im Jahn-Sportpark.

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