Sport : Berlin Ankaraspor Kulübü

Wie der Oberligist BAK mit der Türkei kooperiert

Hannes Maurer

Berlin - In der Einfahrt zum Sportplatz Lüderitzstraße in Berlin-Wedding steht ein älterer Lieferwagen. Auf der Heckklappe sind zwei Aufkleber befestigt. Auf dem großen, schon verblassten, steht Berliner Athletik Klub, auf dem kleineren, neueren ist ein blau-weißer Leopard mit dem Schriftzug Ankaraspor zu sehen. Die Aufkleber spiegeln gut die derzeitige Situation des Fußballoberligisten BAK 07 wider.

Der Berliner Athletik Klub 07, der in der Lüderitzstraße trainiert, ist im Juni 2006 eine Kooperation mit dem türkischen Erstligisten BB Ankaraspor eingegangen. „Wir haben etwas Neues gebraucht, um unseren schlechten Ruf zu verbessern“, sagt Mehmet Ali Han, der zweite Vorsitzende des BAK. „Über Spielerberater kam dann der Kontakt nach Ankara zustande.“ Der Berliner Viertligist hatte in der Tat nicht das beste Image. Immer wieder kämpfte man gegen den Abstieg, es drohte die Insolvenz und zuletzt wurde der BAK sogar mit Wettmanipulationen in Verbindung gebracht. Da kam die Namensänderung nicht ungelegen. Angelehnt an den türkischen Partnerverein steht das Kürzel BAK nun für Berlin Ankaraspor Kulübü – Kulübü heißt Klub.

Nicht nur der Name ist neu, bis auf zwei Spieler ist der gesamte Kader neu zusammengestellt. Unter anderem kicken seit dieser Saison die Ex-Profis Luis Gomis (früher 1. FC Nürnberg), Chibuike Okeke (1. FC Union Berlin) und Heinz Lienhart (Grazer AK) für den Berliner Oberligisten. „Der Kader ist ein zusammengewürfelter Haufen, aber mit großem Potenzial“, sagt Trainer Thomas Herbst, der zuvor den Ligakonkurrenten Türkiyemspor trainierte. Doch die jetzige Mannschaft soll nur den Boden für nachfolgende Generationen bereiten. Neben der Verbesserung des Images ist die Nachwuchsarbeit zentraler Punkt der Neuausrichtung. Sogar die Einrichtung eines Jugendinternats hat der neue Vorstand geplant. Der Zweck der Kooperation scheint klar. Der türkische Erstligist Ankaraspor will Berliner Fußballtalente früh an sich binden, selbst ausbilden und dann in die Türkei lotsen. Besonders interessant sind Nachwuchsspieler mit türkischem Pass, da in der türkischen Liga das Ausländerkontingent auf sechs Spieler pro Mannschaft beschränkt ist. Vorstandsmitglied Han nennt aber auch politische Motive: „Wir wollen die zwei Hauptstädte, Ankara und Berlin, miteinander verbinden.“

Der Verein spielt nun im Jahn-Sportpark, wo hin und wieder auch die zweite Mannschaft von Hertha BSC in der Regionalliga kickt. In diese Spielklasse will auch der BAK. „Wir üben aber keinen Druck aus“, sagt Han, „wir planen langfristig.“ Innerhalb der nächsten drei Jahre will man den Aufstieg schaffen, gegenwärtig liegt der Klub hinter dem souveränen Tabellenführer Babelsberg auf Rang zwei. „Wir wollen, so lange es geht, oben mitmischen“, sagt Trainer Thomas Herbst. Der Ehrgeiz ist also da und auch die finanziellen Mittel scheinen zu stimmen. „So um die 250 000 Euro beträgt unser Etat. Das meiste kommt aus der Türkei“, sagt Han. Woher das Geld genau stammt, sagt er nicht. Die personelle Verstärkung aus der Türkei ist dagegen offensichtlicher: Drei Vorstandsmitglieder, zu denen auch der Sohn des Bürgermeisters von Ankara, Ahmet Gökçek, zählt, sind sowohl in Ankara als auch in Berlin tätig.

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