Berlin bleibt draußen : Eishockey-WM ohne Eishockey-Hauptstadt

Berlin schaut zu. Und zwar aus ganz weiter Entfernung Warum die Eishockey-Weltmeisterschaft an der Eishockey-Hauptstadt vorbeigeht?

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Berlin - Berlin schaut zu. Und zwar aus ganz weiter Entfernung. Am kommenden Freitag beginnt die Eishockey-Weltmeisterschaft mit dem Eröffnungsspiel in der Schalker Arena zwischen Deutschland und den USA. In den Tagen danach flitzen die weltbesten 16 Eishockeynationen in Köln und Mannheim über das Eis. In der Großarena in Berlin-Friedrichshain, in der seit zwei Jahren die Eisbären die meisten Eishockeyzuschauer im Lande haben, gibt es derweil Konzerte oder Auftritte des Profi-Blödlers Mario Barth. Warum geht die Eishockey-WM an der Eishockey-Hauptstadt vorbei?

Die Frage hat eine Geschichte. Bereits vor zwei Jahren bei der Vorstellung der WM im Bundesinnenministerium stand sie im Raum, und damals vertröstete der zuständige Innenminister Wolfgang Schäuble das Auditorium damit, „dass wir 2009 immerhin die Leichtathletik-WM in Berlin haben werden“. 2008 wurde die neue Berliner Großarena erst fertiggestellt, der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte bereits 2005 den Zuschlag für das Turnier bekommen. „Zu dem Zeitpunkt war an Berlin noch nicht zu denken“, sagt Henner Ziegfeld, Chef des WM-Organisationskomitees. „Wir konnten uns nicht mit einem halbfertigen Projekt bewerben.“ Der Eishockeyweltverband IIHF habe zuvor schon negative Erfahrungen mit Bewerbern gemacht, deren Spielorte nur in Planung und nicht fertig gewesen seien – deswegen musste schon 2003 Finnland für Tschechien als Ausrichter einspringen.

Es war dann aber so, dass in Berlin Anstrengungen unternommen wurden, noch am WM-Turnier 2010 zu partizipieren, sagt Detlef Kornett, Europa-Chef des Berliner Halleneigners, der Anschutz-Gruppe. „Natürlich hätten wir gern einige WM-Spiele nach Berlin geholt“, sagt Kornett. „Wir haben intensiv und mit aller Kraft versucht, die WM auch in die O2-World zu holen. Leider vergebens.“ Tatsächlich war das wohl auch finanziell eine schwierige Angelegenheit, da mit den Spielorten Köln, Gelsenkirchen und Mannheim schon Verträge geschlossen worden waren.

Antistimmung in Berlin?

Henner Ziegfeld hat nun die Besorgnis, dass in Berlin in Sachen WM „eine Antistimmung“ entsteht. Das scheint unbegründet, sagt André Haase, Herausgeber des Eisbärenfanmagazins „Eis-Dynamo“: „Zum Spiel auf Schalke ist sogar ein Sonderzug aus Berlin unterwegs.“ Nach diesem „Hype“ vor 76.000 Zuschauern allerdings habe sich das Thema WM für viele Eisbären-Fans wohl erledigt. Köln und Mannheim seien eben weit weg von Berlin.

Es erscheint diskutierenswert, ob in einem 80-Millionen-Einwohner-Land ein WM-Turnier Breitenwirkung entfalten kann, das nur an drei Orten und dann auch noch abseits der drei größten Metropolen veranstaltet wird. Anschutz-Chef Kornett findet, dass eine WM ohne Berlin eine „verpasste Chance“ sei. „Trotz des Zuschauer-Weltrekords auf Schalke, die Strahlkraft der Eishockey-WM wäre mit dem Spielort Berlin wesentlich stärker.“ OK-Chef Ziegfeld ist sich dessen bewusst und sagt, dass bei Bewerbungen für künftige Turniere in jedem Fall ein Standort in Ostdeutschland berücksichtigt werden müsse. „Die traditionelle Süd-West-Ausrichtung“ müsse überdacht werden.

Eine kleine Chance für Berlin gab es übrigens noch, wenigstens im Vorfeld ein wenig WM abzubekommen. Das letzte Testspiel der Deutschen am Dienstag gegen Kanada wollte der Deutsche Eishockey-Bund in Berlin austragen. Doch da stand Mario Barth im Wege. Nun findet das Spiel in Hamburg statt.

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