Sport : Berlin Capitals: Aufs Glatteis geführt

Claus Vetter

Die Capitals gehören weiterhin zur Deutschen Eishockey-Liga. Am Mittwoch bekamen die Berliner auf der Gesellschaftertagung der DEL ihre Lizenz zurück. Der lange Zeit hochverschuldete Klub konnte auf der Sitzung von Frankfurt eine Bankbestätigung über eine Einzahlung von elf Millionen Mark zur Erhöhung des Stammkapitals vorlegen. "Ein Ausschluss wäre nur noch aus formellen, nicht aber mehr aus materiellen Gründen haltbar gewesen", sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der DEL, Gerhard Schröder, zu der Entscheidung.

Erst am Montag hatte Egon Banghard, Hauptgesellschafter der Capitals, dank gütiger Hilfe von Dietmar Hopp, Gesellschafter bei den Mannheimer Adlern, die benötigten Millionen aufgetrieben. Nach monatelangem Hickhack um die Zukunft des Klubs hatte sich im Vorfeld der Sitzung von Frankfurt bei einigen Klubs heftiger Widerstand gegen eine Zulassung der Capitals gebildet. "Die Sache stinkt gewaltig", meinte gar ein Abgesandter eines Klubs. Doch die Gesellschafter der DEL konnten ihren Ärger dann nicht formulieren, die geplante Abstimmung über die Zulassung der Capitals fiel aus: Der Aufsichtsrat hatte - in Abwesenheit eines seiner vier Mitglieder - vor der Sitzung der Gesellschafter den vor einer Woche beschlossenen Lizenzentzug für die Capitals zurückgenommen.

"Es musste ein Interessenausgleich zwischen der Solidarität mit einem Mitgesellschafter und der Effektivität des Lizenzprüfungsverfahrens gefunden werden", meinte Gerhard Schröder. Worte die ebenso kryptisch wie belanglos anmuten und Spielraum für Interpretationen lassen. Offensichtlich war die Angst groß, dass die Capitals nach einer Lizenzverweigerung durch die Gesellschafter mit einem Gang vor das Schiedsgericht die Lizenz auf juristischem Wege zurückerhalten. Am Ende kamen die Berliner in Frankfurt davon. Das Strafmaß fiel milde aus: Die Berlin Capitals bekamen eine Geldstrafe von 100 000 Mark aufgebrummt und erhalten zudem in der am 7. September beginnenden Saison insgesamt sechs Punkte Abzug.

Die Freude über die Entscheidung von Frankfurt war bei den Capitals groß. Jubelarien waren allerdings zunächst von den Verantwortlichen der Capitals nicht zu vernehmen. Sprecher Peter Harbig, einer der loyalen Angestellten des Klubs, der acht Monate lag auf sein Gehalt hatte warten müssen, gab sich in seiner Stellungnahme betont vorsichtig. "Wir haben bis zum letzten Moment um unsere Lizenz gezittert", sagte Harbig, "nun gibt es keinen Grund, überheblich zu werden."

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