Sport : Berlin Capitals: Den Sturz ins Bodenlose aufgefangen

Claus Vetter

Zur Katastrophe kam es nicht. Das Ergebnis, mit dem die Verantwortlichen der Berlin Capitals gestern Abend aus Köln von der Gesellschafterversammlung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zurückkehrten, grenzte wohl eher an ein Wunder. Seit Montag, 17.30 Uhr, ist es amtlich: Die Capitals behalten ihre Lizenz in der DEL. Vor zwei Wochen hatte das DEL-Gremium den Berlinern sowie den Revier Löwen Oberhausen die Bestätigung der Lizenz verweigert. Auch die Oberhausener erhielten gestern im zweiten Anlauf die Spielberechtigung. Die am 7. September beginnende Saison findet somit wie bisher mit 16 Mannschaften statt. "Ohne DEL-Lizenz wären wir ins Bodenlose gefallen", meinte Lorenz Funk, Sportdirektor der Capitals.

23 Millionen Mark an Verbindlichkeiten, den drohenden Konkurs im Nacken und keinen vernünftigen Vorschlag zur Entschuldung des Klubs - noch vor zwei Wochen hatten sich die Capitals auf der Gesellschafterversammlung der DEL reichlich konzeptlos präsentiert. Die DEL hatte den Berlinern die Lizenzbestätigung verweigert und zwei Wochen zur Vorlegung eines Sanierungskonzeptes gestatten müssen. Diese Frist für die Capitals lief am Sonntag um 24 Uhr ab, noch zur rechten Zeit hatten sie am Sonntag der DEL die Unterlagen zukommen lassen. Die Papiere entsprachen offenbar den Erfordernissen.

Im Alleingang hatte der Geschäftsführer der DEL, Gernot Tripcke, nicht über das Schicksal der Capitals entscheiden wollen, obwohl dies durchaus in seiner Macht gestanden hätte. Tripcke übergab die Unterlagen des Klubs an den Aufsichtsrat der DEL, der reichte die Schriftstücke wiederum an die Gesellschafterversammlung weiter. Die bestätigte dann nach dreistündiger Sitzung die Lizenz der Capitals. "Die Capitals haben sämtliche von der DEL vor zwei Wochen geforderten Auflagen erfüllt", sagte Andreas Ulrich, Sprecher der DEL. "Einzige Auflage für die Berliner ist nun, dass das zugesicherte Geld zur Entschuldung bis zum 10. August auf einem Konto eingegangen sein muss." Diese Summe bewegt sich laut Angaben der Capitals im Bereich von etwa zehn Millionen Mark. "Die Liga hat Geschlossenheit demonstriert", sagte Ulrich, "das Kernproblem bei den Capitals war die Überschuldung, und das ist gelöst."

Bei den Capitals war man über die Entscheidung von Köln selbstredend erfreut. "Wir sind mit der festen Überzeugung nach Köln gefahren, dass es klappt", sagte Joachim Börner, Aufsichtsratsvorsitzender der Capitals. "Wir wussten, dass unser Konzept greift." Neben Börner gehörten Prokurist Gerhard Brüderer und Andreas Fettchenhauer, Intimus von Hauptgesellschafter Egon Banghard, zur Berliner Delegation auf der Gesellschafterversammlung der DEL.

Auf besagter Tagung muss es mitunter turbulent zugegangen sein. Nicht alle Vorschläge der Capitals stießen dort einhellig auf Zustimmung. Fettchenhauer hatte in den vergangenen Tagen von einem neuen Sponsor und Gesellschafter der Capitals gesprochen, der aber noch nicht genannt werden wolle. Noch während der Sitzung versuchte Fettchenhauer per Telefon mit einem potenziellen Mäzen Kontakt aufzunehmen, der sich dann aber nicht bereit erklärte, den Capitals zu helfen. Und da musste dann eben wieder Egon Banghard als Bürgschafter herhalten. Der Bauunternehmer und bisherige Hauptgesellschafter war schon in der Vergangenheit immer gefragt, wenn die Capitals klamm waren. In diesem Zusammenhang überrascht auch die zuletzt stets als "neu" angekündigte Struktur der Capitals GmbH. "Egon Banghard und ich werden zwei Gesellschafter sein", sagte Fettchenhauer gestern, "dazu kommen Unternehmer aus dem Freundeskreis von Egon und mir."

Den Capitals bleibt noch viel Arbeit. Drohende Konkursanträge gegen den Klub müssen abgewendet werden. Dann muss schleunigst ein Vertrag mit dem Betreiber der Deutschlandhalle her. Beim spielenden Personal gilt es rasch einiges zu klären, die Capitals haben nur noch zwölf Akteure unter Vertrag. Jüngster Abgang ist Martin Ulrich. Der Verteidiger hat gestern einen Vertrag bei der Düsseldorfer EG unterschrieben.

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