Sport : Berlin Capitals: Ducken und in Deckung gehen

Claus Vetter

Was tun, wenn die Bombe fällt? Das war in den siebzger Jahren eine oft gestellte Frage. An Schulen wurden abenteuerlich anmutende Katastrophenfilmchen als Lehrmaterial eingesetzt. Die praktische Formel zum Überleben nuklearer Attacken lautete: "Duck and Cover" - sinngemäß "ducken und in Deckung gehen".

In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) fallen keine Bomben, und die Berlin Capitals kämpfen nur um das finanzielle Überleben. Dass sie hochverschuldet sind, ist bekannt. Aus Sicht der Verantwortlichen ist das so etwas wie eine Katastrophe, und daraus leiten sie wohl ihre Verhaltensmaßnahmen ab: Ducken und in Deckung gehen.

Gerhard Brüderer, Prokurist der Capitals, hat eine plausible Erklärung für die Angst vor Öffentlichkeit. "Wir stehen momentan in Verhandlungen." Mit wem? "Die Herren wollen nicht genannt werden. Je öffentlicher das Thema wird, desto schädlicher für uns." Es darf also spekuliert werden, woher der Retter kommt. Als eine Variante steht im Raum, dass der Eigner des EHC Eisbären, die Anschutz-Gruppe, dem angeschlagenen Lokalrivalen unter die Arme greift. Schließlich will Anschutz gemeinsam mit dem Hauptgesellschafter der Capitals, Egon Banghard, eine Halle am Ostbahnhof errichten.

In Köln hofft die DEL-GmbH auf frohe Kunde aus Berlin. Den Lizenzantrag für die kommende Saison haben die Capitals fristgerecht zum 31. Mai eingereicht. Dass den Berlinern angesichts erdrückender Schuldenlast - über 10 Millionen Mark stehen im Raum - die Spielberechtigung nicht hinterhergeworfen wird, ist klar. "Kommende Woche werden die Capitals einen Bescheid bekommen", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, "dann haben sie gegebenenfalls einen Monat Zeit, nachzubessern." Mehr will Tripcke nichgt sagen. "Ich weiß nur, dass die momentan im Zwei-Tage-Rhythmus Gesellschafterversammlungen haben."

Das ist fast richtig, obwohl es eine ordentliche Gesellschafterversammlung mit fristgerechten Einladungen erst am Samstag gibt. Da steht mal wieder eine Erhöhung des Stammkapitals ins Haus. Brüder spricht von "minimal sechs und maximal elf Millionen Mark". Es geht die Angst um, dass den Capitals angesichts der großen Schar von Gläubigern bald ein Konkursantrag ins Haus flattert. "Bis jetzt haben viele stillgehalten", sagt Brüderer, "auch weil sie sich sicher sind, dass sich bei uns etwas tut." Das hoffen in der Tat so einige, etwa der frühere Trainer Michael Komma, der noch auf seine Abfindung wartet. "Wenn die Capitals weiterspielen, krieg ich mein Geld", sagt Komma, "wenn nicht, dann krieg ich es nicht. Aber bei den zahlreichen Spielerverpflichtungen kann man wohl davon ausgehen, dass es weiter geht."

Laut Brüderer gestalten sich die Verhandlungen mit dem oder den Rettern "äußerst positiv. Bald können wir mehr sagen und hoffentlich auch zum Tagesgeschäft übergehen. Denn da besteht Nachholbedarf." In der Tat, derzeit arbeiten nämlich einige bei den Capitals quasi ehrenamtlich - Sportdirektor Lorenz Funk und Teammanager Lutz Schirmer zum Beispiel. Wie sieht es denn da aus? "Fakt ist, dass die Verträge von Funk und Schirmer ausgelaufen sind", sagt Brüderer, "hier wird es zu Unterschriften oder nicht zu Unterschriften kommen. Aber das haben andere zu entscheiden."

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