Sport : Berlin Capitals: Ein Fax rettet den Verein

Sieben Stunden vor Ablauf der Frist haben die Berlin Capitals die Lizenzauflagen erfüllt und dürfen in der neuen Saison weiter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielen. Laut Capitals-Sprecher Hans Peter Harbig gingen am Freitagnachmittag die geforderten 10,6 Millionen Mark (5,42 Millionen Euro) auf den Vereins-Konten zur Deckung der Verbindlichkeiten ein. Der hochverschuldete Klub hatte die DEL-Lizenz für 2001/2002 erst im zweiten Anlauf erhalten, musste aber noch die Auflage erfüllen. Die Capitals können nun am 7. September in der umgebauten Deutschlandhalle in die neue Spielzeit starten.

"Die Lizenzverweigerung und der Absturz in die Viertklassigkeit wäre angesichts der Tatsache, dass wir jetzt nach jahrelangen Bemühungen endlich in der attraktiven Deutschlandhalle spielen können, eine Katastrophe gewesen", sagte Sportdirektor Lorenz Funk. Am Mittwoch war die für 9,3 Millionen Mark (4,75 Millionen Euro) umgebaute Arena von Berlins Wirtschaftssenatorin Juliane von Friesen eröffnet worden. Die Halle fasst 7790 Zuschauer und bietet den Fans damit 1350 Plätze mehr als die Eishalle an der Jaffeestraße, die nun abgerissen wird.

Im Wettlauf um die Lizenz faxten die Capitals am Freitag in letzter Sekunde an die Ligenleitung den Nachweis über 10,6 Millionen Mark. In erster Instanz war den Berlinern angesichts eines Schuldenberges von 23 Millionen Mark und wegen des Fehlens eines schlüssigen Entschuldungskonzepts die Spielberechtigung für die DEL verwehrt worden. Hauptgesellschafter Egon Banghard hatte danach auf sein dem Verein gegebenes Darlehen verzichtet und die Schuldenlast damit auf rund die Hälfte reduziert.

Woher die nun eingegangenen 10,6 Millionen Mark stammen, wurde nicht bekannt. Nachdem zunächst von zwei neuen Gesellschaftern die Rede war, die anonym bleiben wollten, vermuten Insider jetzt, dass Hauptgesellschafter Egon Banghard erneut die Hauptlast trägt. Mit dem Eingang der Gelder dürften die Capitals auch drohende Insolvenzverfahren abgewendet haben. Sportdirektor Funk, seit drei Jahrzehnten als Spieler, Trainer und Manager in verschiedenen Vereinen in der Hauptstadt tätig, bezeichnete die Auflagen-Erfüllung als einen "Meilenstein im Berliner Eishockey-Sport". Auch Lokalrivale EHC Eisbären reagierte positiv. "Wir brauchen diese Derbys. Sie sind ein unverzichtbarer absoluter Höhepunkt", betonte deren Manager Peter John Lee. Der DEL-Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Schröder erklärte: "Da die Berlin Capitals nun offensichtlich ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, können wir hoffentlich einen Schlussstrich ziehen und uns nun auf die Vorbereitungen zur neuen Saison konzentrieren." Die beginnt am 7. September mit 16 Vereinen.

Nach der Begleichung der Gehälter für Angestellte und Spieler, die teilweise seit Januar kein Geld mehr erhalten haben, gilt jetzt das Hauptaugenmerk dem Zusammenstellen der Mannschaft. Nachdem reihenweise Stammspieler den Klub verließen, trainierte Cheftrainer Gunnar Leidborg am Freitag im Weddinger Erika-Hess-Stadion nur noch mit zehn Puckjägern. Seine Erwartungen sind nach der gestörten Saisonvorbereitung und den eingeschränkten Finanzen gering: "Man kann jetzt keine großen Sprünge erwarten." Das Erreichen der Play-offs sei kein Muss mehr, sagte der Schwede.

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