Sport : Berlin Capitals: Ein Freund, ein guter Freund

Claus Vetter

Manchmal müssen Zusammenhänge nicht konstruiert werden. Eben dann, wenn sie sich aufdrängen. Was Ilja Worobjew, bis gestern Stürmer in Diensten der Berlin Capitals aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Wert ist, das ist bekannt. Für rund 180 000 Mark netto pro Saison sind die Dienste des Russen mit deutschem Pass zu haben. Frankfurt, Köln und der EHC Eisbären haben seit Tagen um die Gunst von Worobjew gebuhlt. Den Zuschlag bekamen gestern überraschend die Mannheimer Adler. Fast zeitgleich mit dem Wechsel Worobjews verkündeten indes die zuvor hochverschuldeten Capitals ihre Rettung - einen Tag vor der Gesellschaftertagung der DEL in Frankfurt. Dort soll heute endgültig entschieden werden, ob die Capitals ihre vor Wochenfrist durch Geschäftsführung und Aufsichtsrat der DEL wegen Millionenschulden entzogene Lizenz doch noch erhalten.

Hauptgesellschafter Egon Banghard soll nun elf Millionen Mark aufgetrieben haben. Über die Herkunft des Geldes schweigen sich die Capitals aus. Gestern wurde allerdings bekannt, dass Banghard bei seiner Sammeltour am Montag bei Dietmar Hopp, Gesellschafter bei den Mannheimer Adlern, vorstellig geworden ist. Dass sich die alten Geschäftsfreunde Banghard und Hopp - der Multimillionär Dietmar Hopp hält mit Sohn Daniel sämtliche Anteile an den Adlern - zum Plausch treffen, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Doch nach Tagesspiegel-Informationen haben die Mannheimer den Berlinern nun finanziell unter die Arme gegriffen.

Jetzt behaupten die Capitals, sie hätten sich bis heute aller Verbindlichkeiten entledigt. "Wir werden am Mittwoch vollständig entschuldet sein", sagte Joachim Börner gestern. Viel mehr wollte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Capitals nicht verraten. "Ich will nicht dem vorgreifen, was auf der Gesellschaftertagung der DEL gesagt werden soll", meinte Börner. Geht es nach den Berlinern, dann wird der Klub - nicht zuletzt Dank der Unterstützung von Mannheimer Seite - heute seine Lizenz zurückerhalten.

Dass monatelang Angestellte der Capitals und die DEL mit falschen Versprechungen vertröstet wurden, könnte sich trotzdem heute in Frankfurt als Hypothek erweisen. Die Klubs der DEL haben das letzte Wort in Sachen Capitals und können den von Geschäftsführung und Aufsichtsrat vor Wochenfrist beschlossenen Lizenzentzug der Capitals mit einer Dreiviertel-Mehrheit revidieren. Erklärung aller Gläubiger, dass die Capitals wieder solvent sind, sind für die Berliner unabdingbar. "Die Capitals müssen alles mitbringen", sagt Andreas Ulrich, Sprecher der DEL, "Unbedenklichkeitsbescheinungen und einen Vertrag für die Deutschlandhalle. Mit Sicherheit gibt es keine Frist mehr."

Joachim Börner, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Capitals, bildet heute in Frankfurt zusammen mit dem designierten Geschäftsführer Andreas Fettchenhauer, Prokurist Gerhard Brüderer oder Sportdirektor Lorenz Funk - ganz so einig war man sich da noch nicht - die Berliner Delegation. Darüber, was alles passieren kann, wollte sich Börner nicht auslassen: "Das ist beim besten Willen nicht möglich. Die Sache ist inzwischen so emotionalisiert, dass es schwierig ist, juristisch einen klaren Kopf zu behalten." Börner wittert eine "kontraproduktive Verselbständigung der Sachfragen."

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